Foto: Ausschnitt aus Plan A, Screenshot RepaNet

Nun hat es das Reparaturthema nach den positiven schwedischen Impulsen auch in Österreich in die Wirtschaftspolitik geschafft: In seinem feierlich verkündeten „Plan A“ fordert Bundeskanzler Christian Kern eine Prämie für private Haushalte, wenn sie Dinge reparieren lassen anstatt sie wegzuwerfen. Und zwar bis zu 600,- Euro pro Privatperson.

Diese Forderung ist Teil eines Paketes für mehr Jobs bei inländischen Klein- und Mittelbetrieben. Die Idee ist, dass KonsumentInnen, die Gegenstände bei Reparaturbetrieben reparieren lassen, die Hälfte der Arbeitskosten, max. jedoch € 600,- pro Jahr und Person, refundiert bekommen. Da geht sich eine Waschmaschinenreparatur locker aus, dazu noch die Reparatur eines zweiten Gegenstandes (z.B. wackeliger Sessel, ein Paar gute Winterschuhe, ramponiertes Fahrrad und vieles mehr).

Damit wird Reparatur gegenüber Neukauf endlich wieder konkurrenzfähig. Und das Fördergeld ist gut investiert: es fließt direkt in die heimische Wirtschaft zurück und generiert dort wieder neue Steuereinnahmen, anstatt für schlechte Billigprodukte aus Niedriglohnländern aus Österreich abzufließen und die Gewinne von Großkonzernen in Steueroasen zu vermehren. Damit die Förderung auch wirklich dort ansetzt, wo es am dringendsten nötig ist, gilt sie nur für Privatpersonen. Gefördert wird nur die Arbeit des Reparaturbetriebes, aber kein Material oder Ersatzteile. Bauleistungen und KFZ-Reparaturen sind ausgenommen.

RepaNet begrüßt diese Initiative, die es ja in ähnlicher Form in der Stadt Graz bereits gibt (RepaNet berichtete). Auch in Schweden werden seit heuer Reparaturen mit Prämie noch dazu einem ermäßigten Mehrwertsteuersatz gefördert (Bericht hier). Eine Förderung von Reparaturen ist zwar ein guter Anfang, dennoch darf nicht vergessen werden, dass auch Re-Use und „Vorbereitung zur Wiederverwendung in gleicher Weise gefördert werden müssen. Seit vielen Jahren erbringen insbesondere sozialwirtschaftliche Re-Use-Betriebe, aber auch viele andere Akteure unschätzbare Leistungen im Bereich der Rettung noch brauchbarer Gegenstände vor der Zerstörung durch Recycling oder Entsorgung. Allein durch die Aussortierung, Instandsetzung und den Verkauf von nur einem Prozent der österreichischen Siedlungsabfallmenge könnten über 3.000 neue Jobs in Re-Use-Betrieben geschaffen werden.

Das ist keine Utopie, sondern zum Beispiel in Belgien seit vielen Jahren Realität. Aber dazu bedarf es staatlicher Förderungen, um die unfaire Dumping-Konkurrenz globaler Großkonzerne mit ihren Billigwaren aus quasi-sklaverei-ähnlicher Produktion in Niedriglohnländern auszuhebeln. In Österreich gibt es zahlreiche Wirtschaftsförderungen, die kaum regionale Wertschöpfung generieren, warum nicht auch einmal Jobs in Re-Use-Betrieben fördern? Die vieldiskutierte Kreislaufwirtschaft darf sich nicht nur um Recycling drehen. Ressourcenschonung durch Langlebigkeit, Reparatur und Re-Use ist deutlich wirksamer als Schreddern und Einschmelzen!

 

Die Reparaturförderungsinitiative im Plan A finden Sie ab Seite 32, den Plan gibts hier zum Download…

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