Das Projektkonsortium BauKarussell aus Wien hat von Anfang des Jahres bis Mai den Rückbau des Coca-Cola-Geländes in Wien Favoriten betreut. Erstmals wurde damit in Österreich der Re-Use-Aspekt bei einem großvolumigen Bauvorhaben umgesetzt. Hierfür wurden neuartige Konzepte entwickelt, um ökologische und soziale Nachhaltigkeit in die Bauabwicklung zu integrieren. So wurde der Rückbau in erster Linie von am Arbeitsmarkt Benachteiligten ausgeführt. Detaillierte Projektinfos gibt es hier.

Es tut sich einiges auf dem Gelände des ehemaligen Coca-Cola Werkes in Wien Favoriten. Hier soll in den nächsten Jahren die „Biotope City“ entstehen, ein Vorzeigeprojekt für die Stadt Wien. Um dem Klimawandel und der zunehmenden Verdichtung des urbanen Raumes entgegenzuwirken, soll hier die Grenze zwischen Stadt und Natur verfließen.

Fassadenbegrünung und Grünterrassen sorgen für eine Renaturierung des urbanen Raumes und stärken gleichzeitig die regenerativen Mechanismen der Natur. Innovative Konzepte wie „Biotope City“ verlangen natürlich nach innovativen Herangehensweisen auch beim Rückbau und Abbruch.

Das Projektkonsortium BauKarussell

2016 schlossen sich VertreterInnen einschlägiger Branchen, unter anderem Architektur und Forschung, mit sozialökonomischen Betrieben (Caritas SÖB, dem WUK-Werkstätten und Kulturhaus, sowie dem DRZ – Demontage- und Recycling-Zentrum Wien) zum Projektkonsortium BauKarussell zusammen.

Anlass für diesen Zusammenschluss war die Recycling-Baustoffverordnung des Umweltministeriums: Demnach „ist sicherzustellen, dass Bauteile, die einer Vorbereitung zur Wiederverwendung zugeführt werden können, und welche von Dritten nachgefragt werden, so ausgebaut und übergeben werden, dass die nachfolgende Wiederverwendung nicht erschwert oder unmöglich gemacht wird.“ Das umfasst sowohl Baustoffe als auch Bauelemente wie beispielsweise Fenster oder Heizkörper, die auf diese Weise wieder für den gleichen Zweck in den Bau- und Wirtschaftskreislauf einfließen können.

Die Kernaufgabe von BauKarussell ist es, als Netzwerk sozialökonomischer Betriebe die Wiederverwendung (Re-Use) und Verwertung von ganzen Bauteilen zu ermöglichen. Wiederverwendung oder Verwertung der Bauelemente kann also im eigenen, nachfolgenden Bauprojekt an Ort und Stelle oder im Bauprojekt Dritter erfolgen, durch die Bereitstellung von geeigneten Vertriebs- und Lagerungsnetzwerken. So soll eine intelligente Nutzung der verfügbaren Ressourcen im Sinne der Circular Economy forciert werden. Durch die Arbeit des Konsortiums wird erstmalig in Österreich ein derartiges Projekt realisiert.

Das Pilotprojekt

Wie beim Abbruch des Coca-Cola-Werkes erstmals getestet, bietet BauKarussell gemeinsam mit seinen sozialökonomischen Partnern den Abbruch-vorbereitenden Rückbau an. Durch die Kombination von Bauwirtschaft und Sozialwirtschaft entstehen Synergien, die Re-Use wirtschaftlich machen.

Durch umweltgerechte manuelle Demontage und die optimale Synergie von Re-Use und Recycling konnte beim Rückbau des Coca-Cola-Werkes 100.000 € Umsatz generiert werden. So wurden beispielsweise 5.000 Dachplatten des Coca-Cola-Werkes als Wärmedämmung im Neubau des Biotope City Quartiers für den Wiedereinsatz vor Ort bereitgestellt. Auch die 3.000 m2 Dachbegrünung, also die oberste Bodenschicht samt der Pflanzendecke, wurden besichert und kommen in der Biotope City wieder zum Einsatz. „Mit dem BauKarussell-Pilotprojekt wurden bisher insgesamt 450.000 kg Abfall vermieden“, so Markus Meissner vom Österreichischen Ökologie-Institut.

Das Projekt wird von der Stadt Wien mitfinanziert und gefördert durch die Abfallvermeidungsförderung der österreichischen Sammel- & Verwertungssysteme für Verpackungen. Mittelfristig soll sich das Projekt selbst tragen.

Enormes Arbeitsmarktpotential durch Re-Use

Der vermiedene Abfall entspricht fast einem Prozent der Gesamtrückbaumasse – ein beachtlicher Wert für das erste österreichische Re-Use-Großprojekt im Baubereich. Matthias Neitsch, Geschäftsführer des Re-Use-Netzwerks „RepaNet“, schätzt das Re-Use-Potential bei den Rückbaumassen der nächsten Jahre auf bis zu zehn Prozent. „In Österreich könnten langfristig bis zu 9.000 neue Jobs durch die Etablierung von Projekten wie BauKarussell entstehen“ so Neitsch. Dem gegenüber stehen knapp 145.000 Personen, die in Österreich aktuell arbeitslos gemeldet sind, davon über 50.000 alleine in Wien (Stand Mai 2017). Durch die Beschäftigung in den sozialökonomischen Betrieben (SÖB) entstehen Chancen für benachteiligte Menschen, wie Langzeitarbeitslose, Menschen mit Migrationshintergrund sowie Personen mit Vermittlungshemmnissen, die in der Bauwirtschaft Fuß fassen wollen.

In diesem Zusammenhang sind von Seiten von BauKarussell zusätzlich Qualifizierungsprogramme geplant. Durch die Arbeit des Konsortiums wird erstmalig in Österreich ein derartiges Projekt realisiert. Dass dies auch wirtschaftlich sinnvoll ist, zeigt der erfolgreiche Abschluss des Pilotprojektes auf dem Coca-Cola-Gelände. Das zweite Bauabwicklungs-Projekt startet im Juni 2017.

Durch Re-Use, Recycling und umweltgerechten, ressourcenschonenden Rückbau wird also Umsatz und Beschäftigung generiert. Das vermeidet nicht nur Abfall und liefert dadurch einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Sicherung unserer Lebensgrundlagen für künftige Generationen, sondern trägt auch zur Lösung von wirtschafts- und sozialpolitischen Herausforderungen bei. Daraus ergibt sich ein klarer Handlungsauftrag an die Bauwirtschaft und die Arbeitsmarktpolitik, diese beträchtlichen Potenziale gemeinsam zu erschließen.

Projektpartner

ROMM/MZT DI Thomas Romm ZT in Bietergemeinschaft mit Dr. Ronald Mischek ZT GmbH
Caritas SÖB
Die Wiener Volkshochschulen GmbH – DRZ Demontage- und Recyclingzentrum Wien
WUK-Bildung und Beratung
pulswerk GmbH – das Beratungsunternehmen des Österreichischen Ökologie-Instituts
RepaNet – Re-Use- und Reparaturnetzwerk Österreich

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