Quelle: BMNT, Fotograf: Paul Gruber

Kreislaufwirtschaft beginnt schon beim Produktdesign, sagt Nachhaltigkeitsministerin Köstinger und betont dabei auch die Rolle von Re-Use. RepaNet und Re-Use-Betriebe würden für die Re-Use-Strategie Österreichs eine wichtige Rolle spielen. Dennoch hat RepaNet nach wie vor den Eindruck, dass der Hauptfokus der Wirtschaft und Forschung aktuell auf Recycling und sonstiger Verwertung liegt.

Anschließend an die Kreislaufwirtschafts-Konferenz „Bringing the action plan to life“ nutzte das BMNT die Gelegenheit diese Re-Use-Initiative des Tiroler Umweltvereins, entwickelt vom RepaNet-Fördermitglied Abfallwirtschaft Tirol Mitte (ATM), zu präsentieren: Ausgediente Schultaschen werden mit Hilfe sozialer Initiativen und Einrichtungen vor Ort gesammelt, gereinigt, mit Sachspenden lokaler Papierwarenhändler befüllt und an Kinder in Österreich verteilt, deren Eltern sich diese Anschaffungen nicht oder nur schwer leisten können. Die überschüssigen Schultaschen werden über Partnerorganisationen an Kinder im Ausland weitergegeben. Aus RepaNet-Sicht handelt es sich um ein nachahmenswertes niederschwelliges Re-Use-Projekt, mit dem schon die Jüngsten für Re-Use sensibilisiert werden.

Re-Use-Strategie für die österreichische Kreislaufwirtschaft

Bis zur österreichischen Kreislaufwirtschaft ist es aber noch ein weiter Weg, das bestätigen auch einige der 400 Konferenz-Teilnehmenden aus über 40 Nationen am Konferenztag vom 20. September. Das Schlagwort des Tages war die „fact based circular economy“, also eine auf Fakten gestützte Kreislaufwirtschaft. Konkrete Vorschläge wurden nicht erarbeitet, der Austausch zwischen WissenschaftlerInnen und PraktikerInnen stand im Vordergrund. Hauptthemen waren Recycling und sonstige Verwertung. Dagegen waren weniger Ressourcenverschwendungen durch Ökodesign, vereinfachte Reparaturen und Re-Use klar unterrepräsentiert.

Dabei leistet Re-Use in Österreich, wie im Kreislaufwirtschaftspaket der EU gefordert, trotz geringen Interesses der finanzstarken Wirtschaftsplayer bereits einen klaren, faktenbasierten Beitrag zur Kreislaufwirtschaft: Die RepaNet-Mitglieder haben im Jahr 2017 10.700 Tonnen Güter für Re-Use vorbereitet, das sind rund 1,22 kg pro ÖsterreicherIn (siehe RepaNet Tätigkeitsbericht 2017). Die Menge ist damit im Vergleich zum Vorjahr leicht angestiegen. Der Dachverband der sozialwirtschaftlichen Re-Use-Betriebe in Flandern KOMOSIE, der wie RepaNet RREUSE-Mitglied ist, hat festgestellt, dass dort jährlich pro Kopf 5 kg an Gütern für Re-Use zur Verfügung gestellt werden. Das sind rund 1 % des Siedlungsabfalls, in Österreich sind es nur 0,25 %. Auf die Frage, was Österreichs Strategie sein wird, um sich dem belgischen Niveau zu nähern, meint Bundesministerin Köstinger, dass das Ministerium plant, weiterhin RepaNet und Re-Use- und Upcycling-Projekte zu fördern. Außerdem betonte sie die Wichtigkeit von Ökodesign und die Bekämpfung der geplanten Obsoleszenz.

Forschung zu Kreislaufwirtschaft

Am Vortag der Konferenz präsentierten WissenschaftlerInnen am 19. September an der TU Wien ihre Forschung zur Kreislaufwirtschaft im Rahmen von „Science to support Circular Economy“. Bei dieser Gelegenheit stellte RepaNet die Ergebnisse der RepaNet Re-Use-Markterhebung 2017 vor und war, wie BauKarussell, mit eigenem Poster vertreten. Aus RepaNet-Sicht ist aufgefallen, dass in der Praxis und selbst in der Forschung noch immer die dritte und vierte Stufe der Abfallhierarchie, nämlich Recycling und sonstige Verwertung, die größte Aufmerksamkeit erfahren, und die erste und zweite Stufe, nämlich Vermeidung, etwa durch Ökodesign und nachhaltigeren Konsum, und Re-Use weniger thematisiert werden.

Weitere Informationen …

Über die Kreislaufwirtschafts-Konferenz auf der Seite des BMNT

Tiroler Schultaschensammlung

RepaNews: EU-Kreislaufwirtschaftspaket ist fix, Re-Use wird gestärkt

RepaNet Tätigkeitsbericht 2017

RepaNews: RepaNet Tätigkeitsbericht und Markterhebung 2017: Kreislaufwirtschaft – Jobs statt Ressourcenverschwendung

Bericht von RREUSE mit Infos von KOMOSIE

TU Wien: Science to support Circular Economy (Englisch)

RepaNet Poster zum Download in der RepaThek (Englisch)

www.BauKarussell.at

Poster von BauKarussell (Englisch)

ÖWAV: Wien ist Zentrum der europäischen Kreislaufwirtschaft

RepaNews: Forum Verantwortliches Wertstoff-Management: Kreislaufwirtschaft ohne Umwege führt über Re-Use

RepaNews: Neue Studien in der RepaThek bestätigen: Re-Use ist für die Kreislaufwirtschaft besser als Recycling

RepaNews: Auftaktveranstaltung Circular Futures: Österreich auf dem Weg in die Kreislaufwirtschaft

Industrie Magazin: Recycling von Verpackungen: Recyclingwirtschaft fordert bessere Produkte

Diesen Artikel teilen: