Foto: RepaNet

Die Bohrmaschine vom Nachbarn ausborgen, das Handy im Repair Café selbst wieder in Schuss bringen und das Fahrrad im schicken Re-Use-Shop ums Eck kaufen: Der Trend zum Wiederverwenden, Teilen und Tauschen scheint sich zu beschleunigen. Welche Chancen das für die Abfall- und Sozialwirtschaft bietet und welche Hindernisse es auf diesem Weg noch gibt, haben Expertinnen und Experten im Gespräch mit APA-Science beleuchtet, darunter auch Matthias Neitsch, RepaNet-Geschäftsführer und Sepp Eisenriegler, stv. Vorsitzender von RepaNet. (Quelle: APA-Science/Stefan Thaler)

Weniger Abfall produzieren, weniger Rohstoffe verbrauchen und dabei noch Jobs schaffen – das steht im Mittelpunkt des Re-Use-Konzepts. Das Motto lautet: Produkte gemeinsam länger nutzen, weitergeben und im Fall der Fälle reparieren oder „upcyceln“. Aus Elektronikschrott wird so ein Designobjekt und im Abfallzentrum wandert noch Brauchbares ins Re-Use-Regal statt in den Container.

Der große rechtliche Anstoß zu engagierteren Re-Use-Bestrebungen war die EU-Abfallrahmenrichtlinie 2008, in der die Hierarchiestufe „Vorbereitung zur Wiederverwendung“ eingezogen worden ist – direkt nach der Abfallvermeidung als oberster Priorität und noch vor der dritten Stufe, dem Recycling. Hier ergeben sich allerdings einige Unschärfen. „Im Bereich Abfallvermeidung sind die Dinge noch nicht Abfall. Bei der ‚Vorbereitung zur Wiederverwendung‘ aber schon“, erklärte Markus Meissner vom Österreichischen Ökologie-Institut, Fördermitglied und langjähriger Partner von RepaNet. Die Frage sei, wie man die Produkte da wieder raus bekommt, wenn man sie wiederverwenden will. „Da gibt es ganz viele Spielarten und Interpretationen, wann etwas Abfall wird und wann nicht.“

Auch Matthias Neitsch, Geschäftsführer des Vereins RepaNet, sieht in der zweiten Stufe „eine Krücke, um diesen Widerspruch zwischen Abfall und Nicht-Abfall zu überbrücken“. Das führe beispielsweise beim Upcycling zu kniffligen Konfliktfällen. „Aus Sicht der Abfallwirtschaft ist das eigentlich kein Re-Use, weil dafür ein Produkt zum selben Zweck weiter verwendet werden muss, zu dem es hergestellt wurde. Wenn ich Produkte zerlege und aus denen andere mache, ist das eher etwas wie Recycling“, so Neitsch. „Da gibt es Nachschärfungsbedarf.“

Da die Abfallwirtschaft diese „Vorbereitung zur Wiederverwendung“ bespielen muss, hat sie sich mit sozialwirtschaftlichen Einrichtungen, die die Verkaufskompetenz haben, gekoppelt. „Es geht ja nicht nur um die technische Verwendbarkeit, sondern auch um den Absatz dieser Sachen. Irgendwer muss das Ding ja auch kaufen, wenn es wieder in Stand gesetzt worden ist. Und in der Sozialwirtschaft gibt es ja seit Jahrzehnten Einrichtungen, die das tun“, so Meissner.

Beim Zusammenspannen der zwei unterschiedlichen Arbeitswelten Abfallwirtschaft und Sozialwirtschaft sei man schon sehr weit: „Beim österreichischen Weg sprechen Abfallwirtschaft und Sozialwirtschaft miteinander“, erklärte Meissner. Eine Hürde sei aber das Verständnis für die sehr unterschiedlichen sektoralen Rahmenbedingungen: „Die Sozialwirtschaft und arbeitsmarktpolitische Maßnahmen sind in einem Korsett des AMS, was die Beschäftigungsentwicklung betrifft. Auf der anderen Seite steckt die Abfallwirtschaft in ihrem Rechtsregime, wo es um Bewilligungen und Mengenmeldungen geht. Da muss auf beiden Seiten Verständnis geschaffen werden.“

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