Studie: Developing a national programme for textiles and clothing recovery

Erscheinungsjahr

2018

Organisation / AutorInnen

Mohammad Abdullatif Bukhari, Ruth Carrasco-Gallego und Eva Ponce-Cueto, in: Waste Management & Research 1-11

Kurzbeschreibung

Im Alttextiliensektor der EU stehen in den folgenden Jahren wichtige Weichenstellungen bevor, denn die neue Abfallrahmenrichtlinie ab 2025 sieht eine verpflichtende getrennte Alttextilsammlung für alle Mitgliedstaaten vor. Was das für Österreich bedeuten könnte, ist noch völlig unklar, ein möglicher Weg wäre, dafür das System der erweiterten Produzentenverantwortung einzuführen, wie dies bereits jetzt in Österreich z.B. für Verpackungen und Elektroaltgeräte der Fall ist.

Die vorliegende Studie untersucht ein solches System für Textilien, das es in Frankreich seit einigen Jahren gibt. Dort hat sich seit der Einführung im Jahr 2006 die Sammelmenge verdreifacht und der Anteil der wiederverwendbaren Güter in der Sammelware ist gestiegen. Was nicht für Re-Use geeignet ist, gelangt ins Recycling. Dieser Prozess wird aktuell noch großteils händisch durchgeführt und ist kostenintensiv. Bei steigender Menge können jedoch Skaleneffekte genutzt werden und technische Innovationen werden angeregt.

Aber wer soll die aufbereitete Second-Hand Kleidung kaufen? Auch wenn einige afrikanische Länder, um ihre heimischen Wirtschaften anzuregen, ein Importverbot ab 2019 planen, meinen die AutorInnen, dass die erhöhten Mengen und die verbesserte Qualität der Textilien ausreichen werden, um neue Absatzmärkte zu erschließen. Sie kommen außerdem zu dem Schluss, dass das französische System als Vorbild für andere Länder dienen kann.

RepaNet sieht durchaus positive Aspekte für Herstellersammelsysteme für Alttextilien, ist aber vor dem Hintergrund der bisherigen Erfahrungen in Österreich insbesondere mit den Systemen für Verpackungen und Elektroaltgeräte skeptisch. Denn diese Systeme konnten zwar die Sammlung und Verwertung beachtlich weiterentwickeln, sie vertreten aber in erster Linie Herstellerinteressen und konnten daher bislang im Bereich der Vermeidung und der Vorbereitung zur Wiederverwendung (Re-Use) keine Fortschritte erzielen, eher im Gegenteil: So stemmen sich die Verpackungssammelsysteme bislang massiv gegen stärkere Forcierung von Mehrwegsystemen bei Verpackungen und die EAG-Sammelsysteme verweigern bislang eine adäquate Mitfinanzierung der Vorbereitung zur Wiederverwendung durch sozialwirtschaftliche Betriebe. Es ist daher zu befürchten, dass ähnliche Systeme im Textilsektor das Problem der Wegwerftextilien („Fast Fashion“), der sinkenden Haltbarkeit von Kleidung und der geringen Nachfrage nach gebrauchten Textilien im Inland nicht lösen können, sondern vielmehr die Verdrängung gemeinnütziger sozialwirtschaftlicher Textilsammler zu Gunsten privatwirtschaftlicher und rein gewinnorientierter Sammler und Recycler vorantreiben würden. In Frankreich sind sozialwirtschaftliche Organisationen prominent in das System eingebunden, weil diese dort den Alttextilmarkt dominieren und allgemein in Frankreich deutlich mehr Wertschätzung und Einfluss haben, dies ist leider in Österreich nicht in diesem Ausmaß der Fall. Die Erkenntnisse aus dieser Studie können also in Österreich nicht 1:1 angewendet werden, sind aber in jedem Fall interessant!

Keywords/Tags: Alttextilien, EPR, Frankreich, Produzentenverantwortung, Textilien

Downloads/Link:
Abstract und Volltext auf der Seite des Waste Management & Research Journals