Was sich wie ein Lauffeuer in Europas Städten ausbreitet, holt die umtriebige Leiterin der Erwachsenenschule Pill, Michi Brötz nun in die Berge:

Brötz griff die aus Holland stammende Idee der Repair-Cafes begeistert auf und plant weitere Termine in Innsbruck und ganz Tirol. Projektpartner sind das Tiroler Bildungsforum und die Abfallwirtschaft Tirol Mitte (ATM). Gesucht werden noch weitere ehrenamtliche Techniker und Bastler. Derzeit breitet sich die Repair Café-Bewegung weltweit rasant aus, in Österreich gibt es bereits Initiativen in Wien, Graz, Salzburg, Linz, Vorchdorf, Hittisau, Lustenau und Altach. In Wien und Vorarlberg werden die Cafés u.a. von sozialwirtschaftlichen RepaNet-Mitgliedsbetrieben getragen.

Ähnliche Modelle sind die „offenen Werkstätten“, von denen es vor allem im Fahrradbereich bereits etliche gibt, weiters finden auch mehr und mehr Kurse für HeimwerkerInnen und SelbstrepariererInnen statt. Interessanterweise sind es auch vereinzelt engagierte gewerbliche Reparateure, die solche Initiativen unterstützen oder sogar selber tragen, denn sie sehen in einer breiteren Wiederbelebung des Reparaturgedankens keine Bedrohung ihres Geschäfts – im Gegenteil.

Eine österreichweite Vernetzung der Repair Cafés ist in Vorbereitung, internationale Netzwerke gibt es bereits. Die weltweit führende Plattform für kostenlose Online-Reparaturanleitungen, iFixit, bietet mehr und mehr auch deutschsprachige Reparaturanleitungen an, immer mehr „SelberbastlerInnen“ stellen ihre eigenen Anleitungen für iFixit zur Verfügung oder posten sie auf Plattformen wie youtube. iFixit verbreitet sogar ein „Reparaturmanifest“, in dem sie freien Zugang zu Reparaturinformationen und günstige Ersatzteile für alle fordern, nicht nur für lizensierte Vertragspartner der Hersteller, die in vielen Fällen nachweislich einfache Fehler nicht finden (wollen?) und durchwegs eher zum Neukauf raten.

Als künftige Unterstützer der Repair Cafés kommen vor allem Städte und Gemeinden in Frage, die damit Abfallvermeidung, Ressourcenschonung und Erhalt der regionalen Kaufkraft durch eingesparte Importe von Billig-Gebrauchsgütern fördern. Nicht zuletzt bedeutet die „eigenmächtige“ Reparatur auch ein Stück persönliche Unabhängigkeit und Stolz in einem zunehmend von Entmündigung, Abhängigkeit und Werbemanipulation dominierten Alltag.

Weiterführende Infos zu Repaircafés in
Tirol: www.derknauserer.at oder www.tiroler-bildungsforum.at
Vorarlberg (Lustenau und Altach): http://www.carla-vorarlberg.at
Hittisau: http://www.waelderdorf.at und http://www.youtube.com
Wien: http://www.rusz.at und http://www.recyclingkosmos.at
Vorchdorf und Linz: http://www.otelo.or.at
Graz: http://www.repaircafe-graz.at
Salzburg: http://www.stadt-salzburg.at

Kostenlose Reparaturanleitungen und das Reparaturmanifest von iFixit: http://eustore.ifixit.com

Diesen Artikel teilen: