BauKarussell

Informationen:

 

Kurzbeschreibung

BauKarussell ist das erste österreichische Pilotprojekt für Re-Use im großmaßstäblichen Baubereich. In Zusammenarbeit mit großen Wiener Bauträgern werden im Bereich des Abbruch-vorbereitenden Rückbaus Re-Use-fähige Bauteile und Komponenten ausgebaut und in anderen Gebäuden im Zuge des Neu- oder Umbaues wieder eingebaut. Dabei werden Arbeitskräften aus sozialwirtschaftlichen Unternehmen eingesetzt, die damit Qualifizierung, Jobtraining und bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhalten. Das Projekt wird in der Pilotphase bis Ende 2017 von der Stadt Wien mitfinanziert und gefördert durch die Abfallvermeidungsförderung der österreichischen Sammel- & Verwertungssysteme für Verpackungen. Von 2018 bis Mitte 2019 fördert Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft die Weiterentwicklung. Gefördert werden außerdem die sozial-ökonomischen Betriebe DRZ und Caritas SÖB vom AMS Wien und WUK Biopflanzen vom AMS Niederösterreich.

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Das BauKarussell-Konsortium

Die beteiligten Organisationen sind der Bauplaner Romm/Mischek ZT, pulswerk (das Consulting-Spin-Off des Österreichischen Ökologie-Institutes), RepaNet (die Interessenvertretung der vorwiegend sozialwirtschaftlichen Re-Use-Betriebe Österreichs), sowie die drei sozialwirtschaftlichen Betriebe WUK-Werkstätten- und Kulturhaus, Caritas SÖB (Wien) und das Demontage- und Recyclingzentrum der Wiener Volkshochschulen. Sie bilden gemeinsam die baufachliche, ökologische, abfallwirtschaftliche und arbeitsmarktpolitische Dimension des Projektes ab. Die Planungs- und Vorbereitungsarbeiten wurden im Herbst 2016 gestartet. Von Anfang bis Mai 2017 betreute das Konsortium den Rückbau des Coca-Cola-Geländes in Wien Favoriten und im August 2017 jenen des sogenannten Glaspalastes in der Rathausstraße 1.

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Dauer

Pilotphase: Herbst 2016 bis Ende 2017

Weiterentwicklung: ab 2018

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Hintergrund: Die neue Recycling-Baustoffverordnung

Mit der neuen Recycling-Baustoffverordnung wurde die EU-Abfallhierarchie auch im Österreichischen Baurecht implementiert, wonach beim Rückbau noch vor dem Recycling prioritär die Wiederverwendung (Re-Use) bzw. Vorbereitung zur Wiederverwendung verpflichtend zu beachten ist. Den verantwortlichen Bauherren größerer rückzubauender Bauwerke wird die Verpflichtung auferlegt, im Rahmen der Schad- und Störstofferkundung auch jene Bauteile zu dokumentieren, welche einer Vorbereitung zur Wiederverwendung zugeführt werden können (§4 Abs.3). Weiters ist sicherzustellen, dass Bauteile, die einer Vorbereitung zur Wiederverwendung zugeführt werden können, und welche von Dritten nachgefragt werden, so ausgebaut und übergeben werden, dass die nachfolgende Wiederverwendung nicht erschwert oder unmöglich gemacht wird. Der Ausbau von wiederverwendbaren Bauteilen hat vor einem allfälligen maschinellen Rückbau zu erfolgen (§5 Abs. 1).

Das bedeutet für die Praxis, dass zunächst auf jeden Fall alle unzerstört potentiell wiederverwendbaren Teile und Elemente zu dokumentieren sind, aber lediglich dann tatsächlich vor dem maschinellen Rückbau ausgebaut und übergeben werden müssen, wenn es eine konkrete Nachfrage gibt. Für den Bauherren bedeutet das, auch den Nachfragemarkt nach gebrauchten Bauteilen in die Planung einzubeziehen, um beurteilen zu können, welche Bauteile zu dokumentieren sind.

Die Nachfrage Dritter für Bauteile, die einer Vorbereitung zur Wiederverwendung zugeführt werden können, löst somit die Verpflichtung aus, diese nachfolgende Wiederverwendung nicht zu erschweren oder zu verunmöglichen. Der Bauherr ist also verpflichtet, den Ausbau geschehen zu lassen, muss aber nicht unbedingt die Kosten tragen. Gerade der Kostenfaktor wird dazu führen, dass aus betriebswirtschaftlichen Gründen voraussichtlich die Nachfrage Dritter trotz ökologischer Sinnhaftigkeit begrenzt sein wird.

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Re-Use als Dienstleistungspaket für Bauherren betrachten

Idealerweise sollten daher in die Schad- und Störstofferkundung Fachleute eingebunden werden, die entweder den Nachfragemarkt nach gebrauchten Bauteilen gut kennen oder gleich als Vermittler zwischen Bauherren und Nachfragemarkt auftreten können, um auf diese Weise unnötigen Dokumentationsaufwand zu vermeiden und gleich attraktive Konzepte der Nach- und Weiternutzung von Bauteilen mitdenken, mitplanen und letztlich umsetzen zu können.

Die Dokumentation der gebrauchten Teile und der fachgerechte Ausbau sollten als Gesamt-Dienstleistungspaket verstanden werden, das dem Bauherren Rechtssicherheit, Kostenvorteile und Zusatznutzen im Sinne unternehmerischer gesellschaftlicher Verantwortung bringt und ihm gleichzeitig den Rechercheaufwand hinsichtlich der potentiellen Nachfrage für die Dokumentationsverpflichtung erspart. Die Herausforderung für den Anbieter eines solchen Dienstleistungspaketes liegt nun darin, dem Bauherren diese Vorteile zu bieten und gleichzeitig für die gebrauchten Teile unmittelbare Abnehmer zu finden, und diesen die gebrauchten Teile aufbereitet und zeitgerecht in der gefragten Menge bereitzustellen, und das alles innerhalb eines darstellbaren, für alle Seiten vorteilhaften Geschäftsmodells.

Interessante Produkte für Re-Use sind insbesondere die Bauprodukte Vollholzparkett, Vollziegel, Steinzeug, Natursteinwerk, Dachziegel; die Bauelemente Türen, Fenster, Fensterbeschläge, Säulen, Träger, sowie die Ausstattungsobjekte Sanitärobjekte, Heizkörper, Kachelöfen, Leuchtkörper, Stiegen, Geländer, Tischlerarbeiten, Dekor, aber auch Materialien wie Dachkies, Tore, haustechnische Anlagen, Jalousien, Betonbauelemente und vieles mehr.

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Projektziel: Berücksichtigung von Re-Use in ausgewählten Rückbauten

Zu Re-Use im großmaßstäblichen Baubereich fehlt in Österreich noch jede Praxiserfahrung, als Konsortium betreten wir völliges Neuland. Die Modelle des Bauteilnetzes Deutschland bewegen sich in eher kleinerem Rahmen, eine Übertragbarkeit auf den großvolumigen Wohnbau und größere gewerbliche und industrielle Bauwerke ist nur bedingt möglich. Es gibt zwar bestehende Erfahrungen insbesondere aus der Schweiz, Belgien und den Niederlanden, diese fanden hierzulande aber noch wenig bis keine Beachtung.

Um diese Lücke zu schließen hat sich seit Herbst 2016 ein Wiener Konsortium aus sechs Organisationen vorgenommen, im Rahmen des Projektes „Baukarussell“ ein Geschäftsmodell für ein Rückbau-Dienstleistungspaket zu entwickeln, in größeren Rückbau- und Bauvorhaben in Wien pilotmäßig zu testen und zur Marktreife zu bringen. Hier soll vor allem mit größeren Bauträgern zusammengearbeitet werden, um das Matching der gebrauchten Teile zwischen Rückbau und Neubau idealerweise ohne Zwischenlager bewerkstelligen zu können.

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Erste Bauabwicklung von BauKarussell

Durch umweltgerechte manuelle Demontage und die optimale Synergie von Re-Use und Recycling konnte beim Rückbau des Coca-Cola-Werkes 100.000 € Umsatz generiert werden. So werden beispielsweise 5.000 Dachplatten des Coca-Cola-Werkes als Wärmedämmung im Neubau des Biotope City Quartiers für den Wiedereinsatz vor Ort bereitgestellt. Auch die 3.000 m2 Dachbegrünung, also die oberste Bodenschicht samt der Pflanzendecke, wurden besichert und kommen in der Biotope City wieder zum Einsatz. „Damit wurden insgesamt 450.000 kg Abfall vermieden“, so Markus Meissner vom Österreichischen Ökologie-Institut.

Dies entspricht fast einem Prozent der Gesamtrückbaumasse – ein beachtlicher Wert für das erste österreichische Re-Use-Großprojekt im Baubereich. Matthias Neitsch, Geschäftsführer des Re-Use-Netzwerks „RepaNet“, schätzt das Re-Use-Potential bei den Rückbaumassen der nächsten Jahre auf bis zu zehn Prozent. In Österreich könnten damit langfristig bis zu 9.000 neue Jobs durch die Etablierung von Projekten wie BauKarussell entstehen. Durch die Beschäftigung in den sozialökonomischen Betrieben (SÖB) entstehen Chancen für benachteiligte Menschen, wie Langzeitarbeitslose, Menschen mit Migrationshintergrund sowie Personen mit Vermittlungshemmnissen, die in der Bauwirtschaft Fuß fassen wollen.

Das zweite Bauabwicklungsprojekt in der Rathausstraße 1 wurde im August 2017 abgeschlossen.

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Projektpartner

ROMM/MZT Architekt DI Thomas Romm ZT in Bietergemeinschaft mit
Dr. Ronald Mischek ZT GmbH

www.romm.at

Caritas SÖB
www.caritas-wien.at

Die Wiener Volkshochschulen GmbH – DRZ Demontage- und Recyclingzentrum Wien
www.drz-wien.at

WUK-Bildung und Beratung
www.wuk.at

pulswerk GmbH – das Beratungsunternehmen des Österreichischen Ökologie-Instituts
www.pulswerk.at

RepaNet – Re-Use- und Reparaturnetzwerk Österreich
www.repanet.at

 

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Kontakt:

Baukarussell-Projektkoordination
pulswerk GmbH, DI Markus Meissner
+43-699-15 23 61 00
meissner@pulswerk.at

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Kooperationspartner

HarvestMAP

www.harvestmap.at

 

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Pressespiegel

#BauKarussell auf Twitter

Aktuelle Informationen und Tweets zu BauKarussell finden Sie auf Twitter unter #BauKarussell.

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Weitere Informationen

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