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Elektrogeräte werden heute kürzer genutzt als noch vor 10 Jahren. Dadurch werden mehr Ressourcen verbraucht und Abfall erzeugt. Daher sieht das deutsche Umweltbundesamt Handlungsbedarf und hat auf Basis von zwei Forschungsvorhaben nun in einem 27-seitigen Positionspapier Empfehlungen für Strategien gegen Obsoleszenz vorgelegt: Die Politik sollte mit zwei Strategien gegensteuern: Produkte müssen langlebiger und VerbraucherInnen zu einer längeren Nutzung motiviert werden. (Quellen: UBA und eigene Quellen)

Die Gründe, warum Produkte vor Erreichen einer aus Umweltsicht optimalen Lebens- oder Nutzungsdauer ersetzt werden (Obsoleszenz), sind vielfältig. Manche gehen zu schnell kaputt, andere werden noch voll funktionstüchtig entsorgt, da ein neueres Modell gewünscht ist, etwa bei Fernsehern oder Handys. Manchmal ist die Reparatur zu teuer im Vergleich zum Neukauf oder Hardware ist nicht mehr mit der aktuellen Software kompatibel.

Auf Basis von zwei Forschungsvorhaben hat das UBA in einem Positionspapier Empfehlungen für Strategien gegen diese verschiedenen Formen von Obsoleszenz vorgelegt.

Die 7 Kernempfehlungen umfassen:

  1. Festlegung von Produktstandards zur Mindestlebensdauer, als erster Schritt ggf. zunächst für Produktkomponenten

  2. Einführung einer Informationspflicht zur Verfügbarkeit von Ersatzteilen und Reparaturservice

  3. Einführung einer Pflicht zur Angabe der garantierten Lebensdauer (Herstellergarantieaussagepflicht)

  4. Erweiterung verbraucherschutzrechtlicher Vebandsklagebefugnisse auf Umweltverbände

  5. Verbesserte Rahmenbedingungen für Reparatur

  6. Reduzierter Mehrwertsteuersatz für Reparaturdienstleistungen

  7. Stärkung der Wertschätzung für Produkte

Damit werden viele der Forderungen von RepaNet und unseren Partnern aus dem europäischen RREUSE-Netzwerk aufgegriffen und nun auch von staatlicher Seite eines EU-Mitgliedslandes wissenschaftlich untermauert in die Diskusson eingebracht. Vor allem die Forderung der Herstellergarantieaussagepflicht wurde bereits im August 2013 von RepaNet entwickelt und mehrfach in Fachkreisen verbreitet – hier zeigt sich die wichtige Rolle des Inputs auch kleiner NGOs auf europäischer Ebene und der lange Weg einer guten Idee bis in ein nationales Strategiepapier. Dabei liegt der längere Weg bis in die EU- und dann nationale Gesetzgebung noch vor uns.

Das UBA sieht nun auch anders als bisher in erster Linie die Herstellerseite in der Pflicht. Obwohl grundsätzlich sehr positiv und richtungsweisend, müssen die einzelnen Empfehlungen durchaus noch kritisch durchleuchtet werden. RepaNet begrüßt daher die UBA-Empfehlungen als wichtigen Meilenstein in der Obsoleszenz-Diskussion.

Allerdings befürchten Insider, dass ohne den politischen Rückhalt aus den zuständigen deutschen Ministerien (Umwelt, Wirtschaft) die UBA-Empfehlungen für die Diskussionen auf EU-Ebene zur Ökodesign-Richtlinie nur akademischen Charakter haben könnten. Die realpoitische Auswirkung in der aktuellen Diskussion im Rahmen der EU-Kreislaufwirtschafts-Strategie über die Verlängerung der Produktnutzungsdauer bleibt somit abzuwarten.

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