© Sebastian Göbel, pixelio.de

Türen, Fenster, Echtholzverkleidungen, Holzdielen, die teuer angeschafft wurden, könnten vor dem maschinellen Rückbau eines Gebäudes sorgfältig ausgebaut und weitergegeben werden. Aber ist das abfallrechtlich in Ordnung und wie ist das mit der Gewährleistung? Dazu kommen Schad- und Störstofferkundungen, Abfallschlüsselnummern für Abbruch- und Aushubmaterial, GLN-Nummern, Verwertungsverpflichtungen und die abfallrechtliche Haftung. Warum ist Umweltschutz in der Bauwirtschaft eine besondere Herausforderung? Es diskutieren Evelyn Wolfslehner (BMNT), Martin Scheibengraf (MA22) und Thomas Kasper (PORR Umwelttechnik) mit Moderation von Architekt Thomas Romm (Partner bei BauKarussell) am 4. April im Wiener Architekturzentrum.

In Wien, eine der am stärksten wachsenden Städte Europas, gibt es eine lange Tradition der umweltfreundlichen Bauabwicklung. Prestigeprojekte wie die Seestadt Aspern oder das Sonnwendviertel sind Belege dafür. Hier wurden Umweltaspekte bereits früh im Planungsvorhaben integriert. Die logistische Einbindung lokaler Ressourcen, ein nachhaltiges Massenstrommanagement, eine Maximierung der Verwertungsquote durch Urban Mining, Steigerung der Ökoeffizienz etc.: Das alles sind Strategien, um den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen und um kostengünstiges Bauen und bezahlbaren Wohnraum zu sichern.

Herausforderungen für Bauherren

Was sich leicht sagt, ist noch bei weitem nicht die Regel und alles andere als leicht umzusetzen, gerade wenn auch ein Rückbau involviert ist: Schad- und Störstofferkundungen, Abfallschlüsselnummern für Abbruch- und Aushubmaterial, GLN-Nummern, Verwertungsverpflichtungen und abfallrechtliche Haftung sind nur einige der oft herausfordernden Punkte, die Bauherren berücksichtigen müssen.

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Am Podium diskutieren:

Fr. Mag. Evelyn Wolfslehner, Cheflegistin für Abfallwirtschaft und Altlastensanierung im Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus, Abteilung V/2 Abfall- und Altlastenrecht

Hr. Mag. Martin Scheibengraf, Amtssachverständiger in Umweltbehörde der Stadt Wien MA 22, Fachbereich Abfall- und Ressourcenmanagement 

Hr. Mag. DI Thomas Kasper, Präsident des BRV (Baustoffrecycling Verbandes), Jurist, Baumeister und Abfallwirtschaftler, PORR UMWELTTECHNIK Abteilungsleiter Verfahrensentwicklung

Moderation: Architekt DI Thomas Matthias Romm, Urban Mining Architekt, Experte für Rückbau und Ressourcenmanagement auf Großbaustellen

Datum: Mittwoch, den 4. April 2018, 18:00-19:00

Ort: Architekturzentrum Wien

Anmeldung und weitere Infos

Die Podiumsdiskussion findet im Rahmen der aktuellen Ausstellung im Architekturzentrum Wien: Form folgt Paragraph statt

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