Die WDR Doku „Der Tüftler-König von Deutschland“ nimmt die vielen Facetten des Themas Reparatur in den Fokus. Ausgehend vom Portrait des passionierten deutschen Reparateurs Heinrich Jung werden Produktdesign, Reparaturkultur und unser in den letzten Jahrzehnten drastisch verändertes Konsumverhalten beleuchtet.

Elektromeister Heinrich Jung geht in seiner Firma Blitzblume mit Sitz in Ingelheim (Deutschland) seiner großen Leidenschaft – der Reparatur – nach. In 37 Jahren hat er über 30.000 Geräte repariert – aus Überzeugung. Je älter ein Gerät ist, umso stärker hat es bereits seine Haltbarkeit bewiesen und ist es wert, bei einem Gebrechen repariert zu werden. Ob Bedienfehler, Verschleiß oder Schwachstellen – Jung versucht für jedes Problem eine Lösung zu finden. Ausgehend von Ingelheim werden in der WDR Dokumentation „Der Tüftler-König von Deutschland“ (zu sehen auf YouTube) das Thema Reparatur und die vielen damit verknüpften Diskurse – etwa rund um geplante Obsoleszenz, Konsumverhalten, Produktdesign, Recht auf Reparatur – in den Fokus genommen.

Mit zwei Reparaturen kann Nutzungsdauer von Geräten verdoppelt werden

Durch seine jahrzehntelange Tätigkeit und minutiöse Dokumentation lieferte Jung wertvolle Daten an das Fraunhofer-Institut. In Summe kamen über 13.000 Waschmaschinen, 7.500 Geschirrspüler, 2.000 Trockner, 1.000 Kühlschränke und 400 Staubsauger zusammen. Die Auswertung zeigt: Im Schnitt halten Geräte 8 Jahre und mit 2 Reparaturen konnten sie auf 15 Jahre ausgedehnt werden.

Neben seiner beruflichen Tätigkeit engagiert sich Jung zusätzlich ehrenamtlich. Er hat das Repair Café in Ingelheim mitgegründet und sagt deutlich „Ich wünsche mir Konkurrenz!“. Für sein Engagement wurde Jung 2020 der Goldene Schraubenzieher vom Runden Tisch Reparatur verliehen.

Vom Regal zum Müllplatz

Ein Lokalaugenschein am Müllplatz zeigt, wie oft heute noch funktionsfähige Dinge einfach weggeworfen werden. Manchmal würde auch ein einfacher Akkutausch reichen, um Produkte wieder in Schuss zu bringen. Die Hamburger Firma Akkutauschen ist, wie der Name schon sagt, auf ebendiese Tätigkeit spezialisiert – ein Bereich, der immer wichtiger wird, finden sich Akkus doch in immer mehr Geräten unseres täglichen Gebrauchs.

Spannend ist auch der Besuch in der Miele Produktionsstätte. Miele Waschmaschinen werden auf 20 Jahre Lebensdauer getestet (z.B. Öffnen und Schließen der Tür). Jung jedoch berichtet von einem Wandel: davon, dass im letzten Jahr alleine fünf Miele Waschmaschinen von ihm nicht mehr repariert werden konnten; das wäre früher undenkbar gewesen. Auch Autos (Stichwort: Abwrackprämie) und Smartphones (Apple, Fairphone) werden thematisiert.

Neue Konsummodelle, bessere Rahmenbedingungen

Anstatt immer mehr Billigware zu produzieren, wäre es ein ökonomisch und ökologisch sinnvolles Modell, Produkte langlebig zu konstruieren und sie zu vermieten anstatt zu verkaufen. Ebenso wichtig ist etwa die Senkung der MWSt auf Reparatur (in Österreich für „kleine“ Reparaturen bereits umgesetzt), die Etablierung eines Rechtes auf Reparatur. Denn: „Die Welt muss repariert werden!“ Wie Jung abschließend erkennt: „Wenn wir riesige Berge an Elektroschrott anhäufen, dann ist an unserem System etwas faul.“ Aus diesem Grund setzt sich RepaNet auch dafür ein, dass die Rahmenbedingungen für Reparatur verbessert werden und dass Entscheidungsträger*innen erkennen, dass uns der nötige Umstieg auf eine konsequente Kreislaufwirtschaft gesamtgesellschaftlich voranbringen wird.

Übrigens: Auf unserem neu eingerichteten RepaNet YouTube-Kanal werden wir künftig spannende Videos rund um Re-Use, Reparatur, Kreislaufwirtschaft und Sozialwirtschaft zur Verfügung stellen. Das erste Video ist ein Vortrag von RepaNet-Geschäftsführer Matthias Neitsch über die Leistungen der österreichischen Reparaturszene für Kreislaufwirtschaft und Klimaschutz. Wir freuen uns über Abonnent*innen!

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