© Harald Wanetschka / pixelio.de

Apple gab Ende August den Start eines neuen Reparaturprogramms bekannt. Eine sehr unerwartete Entwicklung nach dem einst heftigen Lobbying gegen die Right to Repair Bewegung, soll sie doch unabhängige Reparaturbetriebe erstmals einschließen. Sehen wir genau hin.

Apple ist für seine Härte gegen unabhängige Reparaturbetriebe bekannt. Nur mit Apple unter Vertrag stehende Partnerbetriebe dürfen iPhones, iPods und iPads reparieren und auch nur diese haben Zugang zu den Originalersatzteilen. Aktuell hat Apple Verträge mit etwa 5.000 Reparaturbetrieben. Doch das soll sich laut Apple nun ändern, und zwar mit dem Start des Apple Independent Repair Provider Programme.

Dem Launch ging ein Pilotprogramm mit 20 Betrieben in Nordamerika, Europa und Asien voraus. Laut eigenen Angaben wolle die Firma nun mehr unabhängigen (kleinen und großen) Reparaturbetrieben dieselben Ersatzteile, Werkzeuge, Trainings, Informationen und Fehlerdiagnosen zur Verfügung stellen wie den authorisierten Apple-Service-Providern – und zwar zum gleichen Preis. In einem kritischen Artikel von iFIXit werden jedoch geleakte Preislisten erwähnt, die sehr hohe Preise für Reparaturbetriebe anführen. Wäre das zutreffend, hätte es zur Folge, dass eine Reparatur im Apple Store in jedem Fall kostengünstiger ausfallen würde, was wiederum die unabhängigen Betrieben benachteiligen würde.

Ein Programm für alle?

Eine weitere Frage stellt sich hinsichtlich der Teilnahmebeschränkung. Die Aufnahme ins neue Programm sei kostenlos, doch muss ein unabhängiger Betrieb über eine/n von Apple zertifizierten TechnikerIn verfügen, der/die die Reparaturen durchführt. Wie man zu dieser Zertifizierung kommt, bleibt fraglich. Man soll beim Antrag frühere Erfahrungen mit Apple angeben, was einen Ausschluss bestimmter ReparateurInnen leichter möglich macht. Doch überhaupt behält sich Apple hier das Recht vor, Anträge ohne Angabe von Gründen abzulehnen.

Fazit: Auf den ersten Blick scheint Apple unabhängigen Reparaturbetrieben mehr Möglichkeiten zu verschaffen – doch sind im von Apple selbst entworfenen System durchaus einige Hindernisse für unabhängige Betriebe zu vermuten. Grundsätzlich ist ein Recht auf Reparatur für alle wünschenswert und auch nötig. Deshalb hat sich RepaNet auch der europäischen Right to Repair Kampagne angeschlossen. Dazu werden Sie demnächst mehr in den RepaNews lesen.

Mehr Infos …

iFIXit-Newsbeitrag: Apple now offers genuine parts and tools to independent repair shops but we have questions

Apple Independent Repair Provider Programme

Presseinfo von Apple: Apple offers customers even more options for safe, reliable repairs

RepaNews: Mehr Reparaturen stören Apple-Geschäfte

RepaNews: Selber Reparieren beeinflusst die Garantie nicht

RepaNews: Mehrere US-Bundesstaaten planen Gesetz gegen Herstellermonopole

RepaNews: Nach den USA auch in Deutschland: Forderungen nach Recht auf Reparatur

RepaThek: Konsumentenrechte im Reparatur- und Re-Use-Bereich

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