Die österreichische Plattform respACT hat gemeinsam mit dem Global Compact Netzwerk Österreich den Appell Zukunftsfähigkeit gestartet. Unternehmen können sich gemeinsam für eine nachhaltige Weiterentwicklung der Wirtschaft starkmachen. RepaNet schließt sich den Forderungen an, gibt aber zu bedenken, dass auch Menschen, die sozialwirtschaftliche, gemeinnützige und unbezahlte Arbeit leisten, in Rettungspaketen gewürdigt werden müssen.

Der Verein respACT – austrian business council for sustainable development – unterstützt Mitgliedsunternehmen dabei, ökologische und soziale Ziele ökonomisch und eigenverantwortlich zu erreichen. Gemeinsam mit dem Global Compact Netzwerk Österreich wurden nun Forderungen ausgearbeitet, die die Entwicklung einer nachhaltigen Wirtschaft voranbringen sollen. Denn angesichts der Coronakrise zeigt sich, dass eine künftige konsequente Orientierung an den Sustainable Development Goals der UNO dringend nötig ist. Die österreichische Bundesregierung muss sicherstellen, dass in der Coronakrise kurzfristig eingeleitete Konjunkturpakete langfristigen Zielen dienen und zur Erreichung des Green Deals der Europäischen Union, der UN-Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen und des Pariser Klimaabkommens beitragen. Unternehmen können die fünf Forderungen nun online unterzeichnen. Sie lauten zusammengefasst:

1. Konjunkturpaket an den UN-Nachhaltig­keitszielen ausrichten und dementspre­chende Rahmenbedingun­gen setzen

2. Auf Erfolgen aufbauen und Unternehmen Planungssi­cherheit geben

3. Wettbewerbsfähigkeit und Wirtschafts­standort stär­ken

4. Die Kosten der Transformation im Blick haben

5. Internationale Vorbildfunktion wahrneh­men

Eine wichtige Ergänzung

Grundsätzlich sind die Forderungen, die auf eine nachhaltige Weiterentwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft abzielen, aus Sicht von RepaNet sehr unterstützenswert. Die alleinige Fokussierung auf privatwirtschaftliche Unternehmen sehen wir allerdings durchaus kritisch. Die Forderungen greifen nicht weit genug und lassen wichtige Player, die großen gesellschaftlichen Nutzen erzielen, außen vor. Die Coronakrise hat die Diskussion um systemrelevante Berufe in den letzten Wochen verstärkt angefeuert und gleichzeitig gezeigt, dass diejenigen Arbeitskräfte, die unser System am Laufen halten, viel zu oft in prekären Arbeitsverhältnissen stehen und unterbezahlt sind. Besonders die sozial Schwachen sind die größten VerliererInnen der Coronakrise und gleichzeitig aber unerlässlich. Menschen, die sozialwirtschaftliche, gemeinnützige oder gar völlig unbezahlte Arbeit erbringen, leisten einen systemrelevanten Beitrag zu Krisenresilienz, Konjunkturbelebung und Wohlstand und sind durch die Krise ebenso existenziell bedroht, während sie bislang kaum in den diversen „Rettungspaketen“ gewürdigt wurden.

Sozialwirtschaftliche, gemeinnützige und unbezahlte Arbeit schafft Wohlstand

Als Interessensvertretung der Sozialwirtschaft setzt sich RepaNet vehement für einen neues Verständnis von Wohlstand und Glück ein – und für die Wertschätzung und Unterstützung all jener Menschen, die durch ihre viel zu oft prekäre, schlecht oder nicht bezahlte oder einfach zu wenig beachtete Arbeit zum gesellschaftlichen Wohlstand beitragen. Wir brauchen ihre Arbeit auch zur Erreichung der SDGs. Denn gemessen an erbrachten bezahlten und unbezahlten Arbeitsstunden trägt vorrangig die Zivilgesellschaft zur Produktion von Wohlstand bei – mit mehr unbezahlten Arbeitsstunden im Vergleich zu den bezahlten Arbeitsstunden der Privatwirtschaft (mehr dazu hier). Und auch bei den bezahlten Arbeitsstunden wird in Österreich ein großer Anteil vom öffentlichen und vom gemeinnützigen Sektor erbracht.

Es braucht also mehr als eine Förderung einer nachhaltigen Entwicklung der Privatwirtschaft, wenn wir ein wirklich faires, soziales und ökologisch nachhaltiges System schaffen wollen, das uns Krisenresilienz und Glück verschafft. Es ist möglich – aber es braucht eine ganzheitliche Betrachtungsweise, die die Sozialwirtschaft und gemeinnützige Vereine miteinbezieht und auch unbezahlte Arbeit (Kinderbetreuung, Pflege, Homeschooling u.v.m.) nicht außen vor lässt. Die Konjunkturförderungen müssen dem tatsächlichen gesellschaftlichen Nutzen der geförderten Bereiche entsprechen – und davon sind wir bis dato leider weit entfernt. Wie etwa die Sozialwirtschaft im Zuge von Corona-Konjunkturmaßnahmen gefördert werden sollte, können Sie hier nachlesen.

Mehr Infos …

Presseaussendung respACT: Apell „Zukunftsfähigkeit“ für ein zukunftsfähiges Konjunkturprogramm (APA-OTS)

Zum Appell „Zukunftsfähigkeit“ und Unterzeichnungsmöglichkeit

Zu den detaillierten Forderungen

destatis.de: Wert der unbezahlten Arbeit

RepaNews: Wegen Coronakrise fordern Dachverbände: Sozialwirtschaft muss jetzt besonders unterstützt werden!

RepaNews: Green Deal muss unser Kompass aus der Krise sein

RepaNews: Reparatur ist systemrelevant und muss jetzt gefördert werden

RepaNews: Künftige EU-Textilstrategie muss primär Re-Use und Sozialwirtschaft fördern

RepaNews: Grüner Aufbau nach der Krise

VABÖ-News: Offener Brief der Wirtschaft fordert nachhaltige Wirtschaftsinvestitionen

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