© Beate Klinger / pixelio.de
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In Frankreich wird seit drei Jahren ein arbeitsmarktpolitischer Ansatz erfolgreich erprobt, der Langzeitarbeitslosen dauerhafte Chancen in Form von Jobs in der Region verschafft. Der Clou: Die Finanzierung erfolgt großteils über die Arbeitslosenversicherung und den Menschen wird mit gesellschaftlich sinnvollen Aufgaben weitergeholfen. (Quelle: Arbeit&Wirtschaft Blog von arbeit plus)

Langzeitarbeitslose haben es schwer – sobald man länger aus dem System rausfällt, ist es schwierig, wieder hineinzukommen. Besonders für ältere Personen wird es manchmal sogar schier unmöglich. Das herkömmliche arbeitsmarktpolitische Vorgehen greift bei ihnen meist nicht genug, da es zu wenig auf diese besondere Personengruppe abgestimmt ist. Es braucht also andere, innovative Ansätze. Und ein Blick nach Frankreich zeigt uns, dass diese schon vorhanden und erprobt sind. In ihrem Blogartikel auf Arbeit&Wirtschaft beschreibt die Arbeitsmarktexpertin Clara Moder von arbeit plus die Problemstellung und den französischen Lösungsansatz im Detail. RepaNet ist überzeugt, dass das Modell sich auch für Österreich gut eignen würde. Warum, wollen wir hier erklären.

Die Kernaufgabe der RepaNet-Mitglieder ist es, Jobs für Benachteiligte zu schaffen. Leider wurden in der letzten Regierungsperiode wichtige Transitarbeitsplätze gekürzt, zudem ist das klassische Modell der nur auf 6 Monate befristeten „Transitarbeit“ in sozialökonomischen Betrieben für viele Menschen mit multiplen Problemlagen, insbesondere ältere Menschen, ungeeignet. Dadurch fallen die Menschen, die ansonsten einer sinnstiftenden Tätigkeit nachgehen könnten, wieder durch die Maschen des Sozialnetzes – ihr Potential bleibt ungenützt und gesellschaftliche Teilhabe erschwert. Gleichzeitig kosten sie den Staat Geld.

Geld aus Arbeitslosenversicherung für neue Jobs umgewidmet

In dem französischen Projekt „Territoires zéro chômeur de longue durée“ wird das Geld, das ansonsten in die Arbeitslosenunterstützung der Betroffenen fließen würde, schlichtweg umgewidmet und als Basis für die Bezahlung der neu geschaffenen Jobs verwendet. Dafür wird der Bedarf in der jeweiligen Region betrachtet und die Personen werden ihren Fähigkeiten entsprechend eingesetzt – auf freiwilliger Basis. Und noch eine positive Nachricht: Es ist dafür keine Vorauswahl durch die Arbeitsmarktbehörden notwendig – die Jobs stehen vielmehr allen Arbeitslosen offen. Eine Vorgehensweise, die sich von dem Versuch, Personen mit allen Mitteln – und doch leider oft vergeblich – fit für den vorhandenen Arbeitsmarkt zu machen, stark unterscheidet, da sie sich am Ist-Zustand der Betroffenen und am öffentlichen Bedarf in der Region anstatt am von harter Konkurrenz geprägten ersten Arbeitsmarkt orientiert.

Ziel des Experiments ist es, Kommunen ohne Langzeitarbeitslosigkeit zu schaffen. Denn besonders diese ist in Frankreich hoch. Die kreierten Jobs sind unbefristet und ermöglichen den Betroffenen einen richtigen Neuanfang. Die Einsatzbereiche sind vielfältig, da man sich dank enger Zusammenarbeit mit lokalen AkteurInnen an den tatsächlichen Bedürfnissen der Region orientiert, und können z.B. kommunale Dienstleistungen, administrative Unterstützung lokaler Unternehmen und Hilfsarbeiten in der Landwirtschaft umfassen. Doch auch Upcycling und andere kreislaufwirtschaftliche Arbeiten sind Teil des Programms. Sozialwirtschaftliche Betriebe, Gemeinden und Kommunen sind daran beteiligt. Seit Beginn des Experiments konnten zahlreiche positive Erfahrungen gesammelt werden und es ist mit einer Verlängerung und Ausweitung zu rechnen.

Ein Vorbild für Österreich

In Österreich gibt es Ansätze, die mit dem französischen Modell vergleichbar sind. Die RepaNet-Mitglieder stellen wichtige Arbeitsplätze für Benachteiligte zur Verfügung und arbeiten eng mit den Kommunen und Gemeinden zusammen. Geförderte Transitarbeitsplätze sind wichtig, doch wurden viele weggekürzt oder sind nach wie vor bedroht. Was fehlt, ist ein bundesweiter, permanenter Förderansatz. Nachdem die „Aktion 20.000“, die öffentlich finanzierte Arbeitsplätze für ältere Langzeitarbeitslose zur Verfügung stellte, von der türkis-blauen Regierung noch in ihrer Pilotphase frühzeitig beendet wurde, fehlt ein Nachfolgemodell. In Wien wird derzeit die „Aktion 4000“ umgesetzt, innerhalb derer an die 1.000 Personen eine Beschäftigung finden sollen. Doch ein österreichweiter Ansatz ist wünschenswert und notwendig, und hier könnte das französische Modell gute Inspiration bringen.

Mehr Infos …

Arbeit&Wirtschaft-Blogartikel „Territoires zéro chômeur de longue durée – Jobgarantie auf Französisch?

Offizielle Website der Aktion „Territoires zéro chômeur de longue durée“

Infos zur Aktion 20.000

Aktion 4000 der Stadt Wien

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