© Katharina Wieland Müller / pixelio.de

Bei einem Treffen im Vatikan, das Bergbau im Dienste des Gemeinwohls zum Thema hatte, betonte Papst Franziskus die Notwendigkeit eines Paradigmenwechsels in unserer Wirtschaftsweise. Er legte den Fokus auf mehr Menschlichkeit und sprach sich für Kreislaufwirtschaft und Re-Use aus.

Im Mai versammelten sich Bergbaubetroffene, NGOs und Top-Manager von Minen-Konzernen im Vatikan, um über gemeinsame zukünftige Strategien für den Bergbau zu sprechen. Das Treffen stand unter dem Motto „Bergbauindustrie zum Wohle der Allgemeinheit“. Papst Franziskus hielt eine Rede, in der er das lineare Wirtschaftssystem für unsere aktuellen Probleme im Umwelt- und Sozialsystem verantwortlich machte und die Anwesenden aufforderte, in gemeinsamem konstruktiven Dialog Lösungen zu finden, wie Bergbau ökologisch nachhaltig und die menschliche Entwicklung fördernd gestaltet werden könne.

Zeit für einen Paradigmenwechsel

In seiner Rede kritisierte Papst Franziskus unser derzeitiges Wirtschaftsmodell und bezeichnete es als unersättlich, gewinnorientiert und auf der Illusion eines unbegrenzten Wirtschaftswachstums basierend. Trotz der zahlreichen verheerenden Auswirkungen auf die Natur und das Leben der Menschen würden wir noch immer zögern, uns zu ändern. Franziskus betonte die Relevanz von integraler menschlicher Entwicklung, sozialer Integration und Umweltschutz sowie die absolute Notwendigkeit eines Paradigmenwechsels in allen unseren wirtschaftlichen Aktivitäten.

Am Beispiel des Bergbaus erklärte er, dass jede wirtschaftliche Tätigkeit im Dienste der gesamten menschlichen Gemeinschaft stehen müsse. Der Mensch und seine Rechte sollen im Zentrum stehen. Das bedeute auch und vor allem die Einbeziehung der lokalen Gemeinschaften in jeder Phase von Bergbauprojekten. Die vermehrte Einbeziehung der Zivilgesellschaft und der direkt von Ressourcenabbau Betroffenen fordert auch die AG Rohstoffe im Positionspapier Digitalisierung und Kreislaufwirtschaft: Zeit für ein sozial-ökologisches Upgrade.

„Extraktivismus“ ist eine Sackgasse – Re-Use ist der Weg

Als Alternative zum vorherrschenden linearen Wirtschaftssystem betonte Franziskus die Förderung der Entwicklung einer Kreislaufwirtschaft – im Bergbau und darüber hinaus. Der „Extraktivismus“, die rasante, ungezügelte Umwandlung der Naturgüter in Kapital, führe uns in eine ökologische und soziale Sackgasse. Wir müssten uns von der Wegwerfgesellschaft wegbewegen, indem wir Wege finden, die Ressourcen für zukünftige Generationen zu sichern. Die Nutzung nicht erneuerbarer Ressourcen müsse so weit wie möglich begrenzt werden und die Effizienz von Nutzung, Wiederverwendung und Recycling maximiert werden.

Franziskus wies auf den Zusammenhang des wichtigen Ansatzes „Reduzieren, Wiederverwenden, Recyceln“ mit nachhaltigen Konsum- und Produktionsmodellen, dem Sustainable Devolpment Goal Nummer 12 (SDG 12) in der Agenda 2030 der UNO hin. Abschließend betonte er die Notwendigkeit, als Menschheit gemeinsam zu handeln.

Als oberster Vertreter der katholischen Glaubensgemeinschaft kommt dem Papst eine Schlüsselrolle zu. Sein Aufruf, Re-Use zu fördern, ist deshalb ein Gewinn für die gesamte Kreislaufwirtschaftsbewegung. RepaNet freut sich, dass die Kreislaufwirtschaft mit Papst Franziskus nun einen prominenten Vertreter mehr hat.

Mehr Infos …

Vollständige Rede von Papst Franziskus zum Nachlesen (Italienisch und Englisch)

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