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Auf Reparaturbetriebe ist auch während der Krise Verlass. Dennoch wurden Reparaturdienstleistungen seit Beginn der Coronamaßnahmen sehr viel weniger oft in Anspruch genommen. Das führt viele Betriebe nun in massive Existenzschwierigkeiten. Die Politik muss diesen Wirtschaftszweig deshalb gezielt fördern!

Reparatur macht uns unabhängiger – denn man braucht das Neuprodukt aus dem Ausland gar nicht erst bestellen, wenn man das kaputte Gerät reparieren lassen kann. Und das am besten beim Betrieb ums Eck. Damit wird die regionale Wirtschaft gestärkt, und das ist während und nach der Krise besonders wichtig. Rohstoffe sind nur begrenzt vorhanden und Reparatur ist der Schlüssel zu besserer Ressourceneffizienz mit gleichzeitiger Sicherung wertvoller Arbeitsplätze.

Reparatur während des Lockdown

Die österreichischen Reparaturbetriebe waren während der Ausgangsbeschränkungen großteils weiterhin tätig. Erste Anlaufstelle für Reparaturen in Wien ist RepaNet-Mitglied Reparaturnetzwerk Wien, das von der Stadt Wien gefördert wird. DIE UMWELTBERATUNG hat in den letzten Wochen laufend über die aktuellen Möglichkeiten, Reparaturdienstleistungen aus dem Netzwerk in Anspruch zu nehmen, informiert (u.a. durch zwei Presseaussendungen: hier und hier). Bei Gebrechen im Haushalt kamen die ReparateurInnen – selbstverständlich unter Einhaltung der vorgeschriebenen Hygiene- und Sicherheitsbestimmungen – auch ins Haus oder die Wohnung um Schäden zu beheben oder Geräte abzuholen und anzuliefern.

Dennoch sind Nachfrage und Umsätze in dieser Zeit sehr stark eingebrochen. Viele Menschen haben offensichtlich, anstatt eine Reparatur in Anspruch zu nehmen, sich für einen Neukauf entschieden – und das zumeist über Online-Shops. Eine Bilanz, die sowohl für Umwelt (mehr Ressourcenverbrauch durch Neukauf und Versand) als auch für die regionale Wirtschaft schlimm ist. Nach Ostern begann dann der Regelbetrieb wieder, die Mitgliedsbetriebe durften ihre Werkstätten und Verkaufsräume wieder für den KundInnenverkehr öffnen und die meisten sind wieder im Rahmen ihrer regulären Öffnungszeiten im Einsatz. Dennoch war die Nachfrage bisher allerdings nach wie vor mäßig.

Regierung muss jetzt Reparaturbetriebe unterstützen

Im türkis-grünen Regierungsprogramm wurden bereits diverse geplante Maßnahmen Pro-Reparatur eingeschrieben. Diese dürfen nicht weiter aufgeschoben werden. Denn die Betriebe – die meisten sind kleine und mittlere Unternehmen – brauchen unbedingt jetzt Unterstützung, damit sie überleben können. Parallel zur Lockerung der Corona-Maßnahmen braucht es ein „Paket Pro Reparatur“, das u.a. öffentliche Image-Werbung für Reparatur umfasst. Die in einigen Bundesländern bereits erfolgreich erprobte Reparaturförderung muss nun von einem bundesweiten Modell gestützt werden. Um Reparatur weiter zu fördern, braucht es fiskalpolitische Maßnahmen wie die Senkung der Lohnnebenkosten für Reparaturdienstleistungen, Abzugsfähigkeit der Reparaturausgaben bei der Einkommenssteuer sowie Reduktion der Mehrwertsteuer auf alle Reparaturen inkl. der Materialkosten. Denn Reparatur ist systemrelevant und wird uns noch durch so manche Krise helfen; doch dafür müssen die Betriebe jetzt unterstützt werden.

Mehr Infos …

Corona-Infos vom Reparaturnetzwerk Wien

Presseinformation von DIE UMWELTBERATUNG: Reparaturnetzwerk Wien: Reparieren mit Know-how und Qualität (22.4.)

Presseinformation von DIE UMWELTBERATUNG: Reparaturnetzwerk: kompetente Hilfe in Krisenzeiten (26.3.)

Zur Website von GRAZ repariert

RepaNews: Re-Use und Reparatur im türkis-grünen Regierungsprogramm

RepaNews: Sozialwirtschaft bildet die #maskforce

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