Wie wichtig es ist, für ein universelles Recht auf Reparatur einzutreten, zeigt ein aktueller Fall aus Norwegen. Henrik Huseby, ein Ein-Mann-Reparaturbetrieb, hat einen dreijährigen Rechtsstreit gegen Apple verloren. Der Grund: er habe angeblich „gefälschte“ iPhone-Bildschirme importiert.

Die europäische Right to Repair Bewegung hat im Juni einen schmerzlichen Rückschlag erlitten. Ein Gerichtsurteil, das in Norwegen gefällt wurde, steht exemplarisch für den verbissenen Einsatz von Apple gegen ein universelles Recht auf Reparatur. Der norwegische Kleinunternehmer und Reparaturbetrieb Henrik Huseby verlor seinen Rechtsstreit gegen das 1-Milliarden-Dollar-Unternehmen Apple vor dem Obersten Gerichtshof Norwegens. Mit dieser Entscheidung sperrt Apple unabhängigen Werkstätten weiterhin effektiv den Zugang zu Ersatzteilen.

Apple behauptete, dass Huseby angeblich „gefälschte“ iPhone-Bildschirme importiert habe. Huseby bestritt dies mit der Begründung, dass er refurbished iPhone-Bildschirme verwendet habe, die er der Öffentlichkeit nie als „echte“ Teile von Apple angeboten habe. In China wurde das zerbrochene Original-Apple-LCD entfernt und ein neues Glas darauf angebracht.

Nun ist Huseby mit € 23.000 Gerichtskosten konfrontiert. Hier können Sie ein Fundraising unterstützen, das ihm zu den nötigen finanziellen Mitteln verhelfen soll. Die Folge des Urteils geht allerdings viel weiter. Denn es geht Apple nicht um einen einzelnen Betrieb sondern ums Prinzip: Fairer Wettbewerb wird blockiert und die Preise für Reparaturen kontrolliert. So werden KundInnen viel öfter zu Neukäufen gedrängt, da sich eine Reparatur wegen der hohen Preise in den Vertragswerkstätten scheinbar nicht lohnt. Im Sinne der Ressourcenschonung ein fataler Weg.

Wir müssen hoffen, dass Apple bald seinen Fehler einsieht und die Firmenpolitik gründlich überdenkt. Interne Firmen-E-Mails weisen zumindest auf Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Unternehmens hin (mehr dazu hier). Denn Ressourcenschonung durch möglichst lange Nutzungsdauer und Reparatur und Re-Use ist keine Wahl, sondern eine Notwendigkeit. Dafür muss auch die Politik die nötigen gesetzlichen Rahmenbedingungen schaffen. Was konkret Smartphones betrifft, so können Sie hier die #LongLiveMyPhone Petition von Right to Repair unterzeichnen, die besseres Design und universellen Zugang zu Ersatzteilen fordert.

Mehr Infos …

Right to Repair: Apple crushes one-man repair shop

Reparaturnetzwerk Wien: Apple gewinnt Gerichtsstreit gegen Ein-Mann-Reparaturwerkstatt

Jetzt die #LongLiveMyPhone Petition unterzeichnen

iFIXit: Apple emails reveal internal debate on right to repair

RepaNews: Bringt das Independent Repair Provider Programme Verbesserungen?

RepaNews: Mehr Reparaturen stören Apple-Geschäfte

RepaNews: Selber Reparieren beeinflusst die Garantie nicht

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RepaThek: Konsumentenrechte im Reparatur- und Re-Use-Bereich

 

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