Textilsammlung und -verwertung

 

Sie suchen einen Kleidercontainer bzw. eine Abgabestelle mit sozialem Mehrwert in Ihrer Nähe? – Auf sachspenden.at werden sie fündig!

Sie haben eine konkrete Frage? – hier geht’s gleich weiter zu den FAQs.

Weitere Infos zur nachhaltigen und fairen Textilverwertung finden Sie auf der Tchibo Themenseite „Faire Kleiderverwertung“.

Hier finden Sie einen Überblick über die in Österreich tätigen Textilsammler.

Zum RREUSE-Positionspapier „Trends für die nächste Modekollektion: Sozial und Zirkulär“ (Dezember 2019)

Lesen Sie auch unser Positionspapier zur Nachhaltigen Sammlung und Verwertung von Textilien.

Von der Stange zum Kleiderschrank

© Rainer Sturm / pixelio.de

Die Modebranche befindet sich in einer rasanten Entwicklung. Die Kollektionen der sogenannten „Fast Fashion“ – billig produzierte Kleidung aus qualitativ minderwertigen Materialien – wechseln in immer kürzeren Abständen. Derzeit kommt jeden Monat neue Mode in die Läden. Zwischen 2000 und 2015 hat sich die weltweite Textilproduktion verdoppelt. Jahr für Jahr werden mehr als hundert Milliarden Kleidungsstücke fabriziert und zu Niedrigpreisen verkauft. Schlechte Arbeitsbedingungen, Löhne unterhalb des Existenzminimums und ressourcenverschlingende Produktionsweisen durch den massiven Einsatz von Wasser, Chemikalien und Energie bringen zudem verheerende ökologische und soziale Folgen mit sich.

Eine von Greenpeace 2019 durchgeführte Umfrage zeigt, dass Kleidung von immer mehr Österreicher*innen als Wegwerfprodukt gesehen wird. Nach einer kurzen Lebensdauer werden einzelne Stücke bereits wieder aussortiert. Schätzungsweise werden in Österreich etwa 13,4 kg/Kopf Alttextilien im Jahr verbraucht, darunter neue Kleidung, die gekauft und oft ungetragen wieder ausgemistet wird. Jährlich fallen in Österreich so mehr als 115 000 Tonnen Alttextilien an, wovon etwa 70.000 Tonnen in den Restmüll wandern. Doch nicht immer. Mehr als 40 000 Tonnen werden gesammelt, davon allein in Wien an die 10.000 Tonnen.

Vom Kleiderschrank zum Container

Damit Altkleider nicht im Restmüll landen, gibt es mehrere Sammelsysteme, die von diversen Betreibern bedient werden. Der überwiegende Anteil landet als Kleiderspende in Containern, Secondhand-Shops oder direkt bei karitativen Einrichtungen. In Folge gibt es jedoch maßgebliche Unterschiede in der Behandlung der Spende und des daraus erzielten Erlöses.

 

sachspenden.at – nachhaltig & sozial

© Tchibo

Um die sozialwirtschaftliche Textilsammlung sichtbar zu machen, hat RepaNet das Label und die Website sachspenden.at gegründet. Unterstützt wird RepaNet dabei von Tchibo, dem Initiatorpartner von sachspenden.at. Auf sachspenden.at findet man die nächstgelegene Abgabestelle sowie wertvolle Tipps und Infos rund um die nachhaltige und soziale Kleiderspende.

Vom Container zur Wiederverwendung

In einem ersten Schritt wird grob aussortiert: Müll sowie nasse oder schimmlige Ware kommen in den Restmüll, unverkäufliche oder kaputte Teile gehen zum Recycling zur Herstellung von Dämmstoffen oder Putzlappen. Sozialwirtschaftliche Sammelorganisationen sortieren danach die qualitativ hochwertigste Ware aus, um sie in Österreich einer Wiederverwendung zuzuführen. Das geschieht durch Verkauf in den Second-Hand-Shops oder unter bestimmten Voraussetzungen auch durch kostenlose bzw. stark rabattierte Abgabe an sozial Bedürftige. Mit den Erlösen aus dem Verkauf (nach Abzug der eigenen Kosten) werden wiederum karitative Projekte finanziert. Die regionalen Kreisläufe führen zu hoher Wertschöpfung – im Inland sind die besten Preise zu erzielen – und dienen der Schaffung von integrativen Arbeitsplätzen in Sammlung, Sortierung und Verkauf. Der Weiterverkauf der restlichen Ware erfolgt bei sozialökonomischen Betrieben an seriöse internationale Händler.

Die meisten privatwirtschaftlichen Sammler hingegen verkaufen die gesamte Sammelware unsortiert oder grob sortiert ins Ausland. Die Preise auf dem Weltmarkt sind hier großen Schwankungen unterworfen. Durch die ständig wachsende Flut an qualitativ schlechten Textilien sind in Zukunft weitere Preisreduzierungen zu erwarten.

Der Kreis schließt sich

RepaNet setzt sich gemeinsam mit Tchibo, dem Initiatorpartner von sachspenden.at, dafür ein, dass in Österreich möglichst viel hochwertige Sammelware bei den sozialwirtschaftlichen Betrieben landet – das unterstützt gemeinnützige Projekte und ist auch im Sinne der Spender*innen, die auf diese Weise sicher sein können, dass ihre Spende ihren Zweck erfüllt. Denn Sicherheit über die Zweckgerichtetheit der Spende ist ganz oben im Ranking der Spendenmotive der ÖsterreicherInnen (laut Public Opinion, siehe Spendenbericht 2019).

Der Wiedereinsatz von Re-Use-Ware (möglichst ohne große Handelswege dazwischen) ist auch ein zentraler Puzzlestein innerhalb einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft. Produkte innerhalb eines Systems „im Kreis zu führen“ vermindert unseren Verbrauch an Primär- und Sekundärrohstoffen – denn auch die Herstellung von Recyclingwaren kostet viel Energie. Demnach ist Wiederverwendung Recycling klar vorzuziehen (so wie auch in der fünfstufigen Abfallhierarchie verankert).

Um Re-Use nachhaltig zu ermöglichen, braucht es gute Ausgangsprodukte. Deshalb ist es an der Zeit, die Produktionsweisen der Fast Fashion zu durchbrechen und hin zu (bzw. zurück zu) nachhaltiger Produktion von qualitativ hochwertiger, langlebiger Kleidung zu gehen – welche dann wiederum viel länger Re-Use-fähig bleibt. Zahlreiche Start-ups liefern hier innovative Ideen. Und auch auf Konsument*innen-Seite sollten Second-Hand-Käufe, Kleidertauschparties, Miete und Clothes-Sharing immer mehr Mainstream werden.

 

Tipps für die KonsumentInnen

© Rainer Sturm / pixelio.de

  • > Achten Sie darauf, welcher Organisation Sie Ihre Kleiderspende überlassen – wählen Sie eine Organisation, die Sie kennen und die transparente Informationen zu ihrer Spendenhandhabung bereitstellt. Mitgliedsbetriebe von RepaNet sind auf jeden Fall zu empfehlen.
  • > Werfen Sie nichts in ungenügend beschriftete Container.
  • > Ihre Kleiderspende sollte unbedingt gut erhalten, sauber und in Plastiksäcken verpackt gespendet werden.
  • > Ist ein Kleidercontainer voll, stellen Sie Ihre Spende nicht daneben ab.
  • > Vermeiden Sie es, billig produzierte Fast Fashion zu kaufen.
  • > Kaufen Sie weniger, dafür langlebige Qualitätskleidung.
  • > Bessern Sie leicht beschädigte Kleidung aus oder lassen Sie sie ausbessern.
  • > Kaufen Sie Second-Hand, vorrangig bei sozialökonomischen Betrieben.
  • > Haben Sie schon an (Kleider-)Tauschparties gedacht?

Mehr über die Möglichkeiten der sinnvollen Kleiderverwertung finden Sie in einem informativen Kurzvideo auf dem Tchibo Blog.

Hier spricht RepaNet-GF Matthias Neitsch über die sozialwirtschaftliche Textilsammlung in Österreich (Video von Südwind, Clean Clothes Kampagne):

FAQs

Was ist sachspenden.at?
RepaNet hat mit sachspenden.at eine Website eingerichtet, die auf einer digitalen Übersichtskarte alle Container und sonstigen Annahmestellen für Textilien bei den sozialwirtschaftlichen RepaNet-Betrieben schnell und einfach auffindbar macht. So sieht man rasch, wo die nächste Abgabemöglichkeit in der Nähe ist. Zusätzlich will RepaNet ein Paketsammelsystem entwickeln, um eine lückenlose Spendemöglichkeit zu schaffen. Die Website soll längerfristig auf weitere Warengruppen ausgeweitet werden. Dafür sind wir zurzeit noch auf der Suche nach SponsorInnen.
Ist sachspenden.at gleichzeitig ein Gütesiegel?
Oft wird durch irreführende Containerbeschriftungen und sonstige Infos von Sammmlern ein gemeinnütziger Zweck suggeriert – während sich hinter dem scheinbar vertrauenswürdigen Label privatwirtschaftliche Unternehmen verstecken, weil der Großteil der Erlöse in deren Kasse fließt.
Nicht so bei sachspenden.at: RepaNet schafft mit dem Label "sachspenden.at" für die sozialwirtschaftlichen Textilsammler und deren Textilcontainer Transparenz für die Spender*innen. In Deutschland existiert das Label der FairWertung, das diesen Zweck erfüllt.
Die RepaNet-Mitglieder haben sich freiwillig zur Einhaltung folgender gemeinsamer Standards verpflichtet:

  1. Gemeinnützigkeit: Der durch die Kleiderspenden erzielte Erlös unterstützt ausschließlich soziale Zwecke und hilfsbedürftige Menschen im In- und Ausland.
  2. Es werden wichtige Arbeitsplätze für am Arbeitsmarkt benachteiligte Personen geschaffen.
  3. Kein Logoverkauf an andere Sammler: Jene gemeinnützige Organisation, deren Name auf dem Sammelcontainer steht, ist auch selbst für die Sammlung verantwortlich und verwendet die gesamten Erlöse zur Finanzierung der gemeinnützigen Arbeit nach Abzug der eigenen Kosten für die Sammlung und Verarbeitung.
  4. RepaNet-Organisationen erfüllen alle Rechtsnormen: das heißt, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Die RepaNet-Mitglieder sind behördlich genehmigte Sammler.
  5. Klare und wahrheitsgemäße Informationen: Es wird klar, sachlich und offen kommuniziert.
  6. Umweltschutz und verantwortliche Entsorgung: Abfallvermeidung durch Wiederverwendung wird forciert. Nicht vermeidbare Abfälle werden korrekt und umweltverträglich entsorgt.
Was spricht für sozialwirtschaftliche Textilsammler?
Sozialwirtschaftliche Sammler erzielen den höchsten sozialen und volkswirtschaftlichen Nutzen, denn sie erwirtschaften die größte inländische Wertschöpfung. Das geschieht, indem gute Sammelware im Inland in eigenen Läden verkauft wird. Durch Sortierung und den Betrieb von österreichischen Second-Hand-Shops schaffen sie so wesentlich mehr Arbeit als private Sammler – und zwar wertvolle Jobs für benachteiligte Personen wie Langzeitarbeitslose oder Menschen mit besonderen Bedürfnissen.
Auch die ökologische Komponente kommt zum Tragen, da es von der Spende bis zum Verkauf im Shop kurze (bis gar keine, wenn Abgabestelle und Shop ident sind) Transportwege gibt.
Sozialwirtschaftliche Textilsammler stellen qualitätsvolle Gebrauchtkleidung zu sozialen Preisen zur Verfügung und verwenden sämtliche Erlöse (nach Abzug der eigenen Kosten für Sammlung und Sortierung) ausschließlich für ihre gemeinnützigen Zwecke. Der soziale Zusatznutzen dient der Region und entlastet die Sozialbudgets der Gemeinden. Vorreiter in Österreich ist die Caritas Vorarlberg: In der Carla Tex, der einzigen echten Sortieranlage in Österreich, gehen aus einem mehrstufigen Sortierungsprozess ca. 180 verschiedene Kleidungs- und Haushaltstextilien-Artikel hervor.
Kleidung, für die aufgrund der großen anfallenden Sammelmengen im Inland keine ausreichende Nachfrage besteht, wird von den RepaNet-Mitgliedern an den Großhandel abgegeben und exportiert – doch erst nach der maximalen Ausschöpfung der Wiederverwendungsmöglichkeiten im Inland.
Dem gegenüber stehen privatwirtschaftliche Sammler: Unternehmen (oft auch mit Sitz im Ausland), die mit dem Export von Kleidung aus Österreich Profit machen. Innerhalb Österreichs findet kaum Wertschöpfung statt. Sie schaffen mit Sammlung und Grobsortierung nur wenige Arbeitsplätze. Manchmal werden gemeinnützige Organisationen mit kleinen Beträgen unterstützt, um sich deren Label auf die Container kleben zu können. Das wiederum sorgt für Verwirrung bei den Spender*innen, die allzu oft glauben, ihre Kleiderspende komme sozialen Zwecken zugute – während den Großteil des Profites in Wirklichkeit private Unternehmen kassieren.
Daneben gibt es auch Sammler aus dem kommunalen Bereich – etwa die MA48 in Wien. Hier ist die regionale Wertschöpfung mit dem Betrieb des 48er-Tandlers gegeben.
Wie häufig wird Kleidung in Österreich gespendet?
Laut Public Opinion ist die häufigste Spendenform die Beteiligung an einer Altkleidersammlung – 38 % der Österreicher*innen beteiligten sich 2018 daran, 2019 sogar 40 %. Der Trend ist stark steigend. Im Jahr 2009 waren es lediglich 28 %. Sachgegenstände wurden 2018 und 2019 von rund 17 % der Befragten gespendet; im Jahr 2009 waren es dagegen nur 7 %.
Was die Spendenmotive betrifft, so ist die Sicherheit über die Zweckgerichtetheit der Spende im Top-Ranking – 2019 gaben dies 59 % der Befragten an.
(Quelle: Spendenbericht 2019, basierend auf: Public Opinion GmbH/Institut für Sozialforschung Linz; österr. Bevölkerung ab 16 Jahre, face-to-face, N=1008, 2018 sowie N=1004, 2019 und N= 1086, 2009.)
Aus Deutschland sind sogar noch weitaus höhere Zahlen bekannt. Laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts forsa im Auftrag des Fachverbandes Textilrecycling (FTR)  nutzten 2012 86 Prozent der Deutschen zumindest gelegentlich Altkleidersammlungen. 85 Prozent der Befragten wollen, dass ihre Sachen weitergetragen werden. Der Hauptbeweggrund für eine Altkleiderspende ist dabei die Unterstützung von hilfsbedürftigen Menschen und karitativen Organisationen (88 Prozent). Häufig genannt wurde auch der Schutz der Umwelt (54 Prozent). (Mehr dazu)
Diese Zahlen zeigen deutlich, dass ein transparentes Sammelsystem, das sich an dem Bedürfnis der Spender*innen nach zweckgerichtetem Einsatz der durch die Sammlung erzielten Erlöse orientiert, gefragt ist. Mit dem Launch von sachspenden.at leistet RepaNet, unterstützt durch Tchibo, hier einen sehr wichtigen Beitrag.
Was ist beim Spenden von Kleidung zu beachten?
Eine Kleiderspende ist dann sinnvoll, wenn es sich um gut erhaltene Kleidung handelt - spenden Sie nur Kleidungsstücke, die Sie auch im Freundeskreis anbieten würden. Wenn Sie Kleidung in einen Textilcontainer werfen, muss diese unbedingt trocken, sauber und in einen Plastiksack verpackt sein, damit sie auch gut in den Betrieben ankommt und wiederverwendet werden kann. Eine Hilfestellung bietet hier das Abfall-Trenn-ABC.
Überfüllen Sie niemals einen bereits vollen Container oder stellen die Spende daneben ab - sie kann durch Regen oder Verunreinigung sehr schnell unbrauchbar werden. Sollten Sie einen Container bereits voll auffinden, informieren Sie die zuständige Organisation – sie kümmert sich gerne um die baldige Entleerung.
Kann man Kleiderspenden auch direkt in den Re-Use-Shops abgeben?
Textilcontainer decken nur einen Teilbereich der Sammlung ab. Als Spender*in stehen Ihnen von vielen Organisationen auch diverse Annahmestellen für Kleiderspenden zur Verfügung. Viele Re-Use-Shops sind gleichzeitig Annahmestellen - auf diesem direkten Weg können Sie sich gleich einen guten Eindruck von der gewählten Einrichtung machen, und Sie wissen, wo Ihre Spende landet. Vielleicht finden Sie auch etwas unter dem aktuellen Second-Hand-Angebot im Shop?
Wird meine Kleiderspende nicht direkt an Bedürftige weitergegeben?
Das stimmt nur zum Teil - aber der Verkauf von der Kleiderspende unterstützt diverse gemeinnützige Zwecke. Denn gemeinnützige, sozialwirtschaftlich arbeitende Organisationen verkaufen gute Ware in Second-Hand-Shops weiter und verwenden die Erlöse (nach Abzug der eigenen Kosten) für ihre karitativen Projekte. Unter bestimmten Voraussetzungen erhalten Menschen in Not Kleidungsstücke entweder stark rabattiert oder kostenlos, entweder durch individuell zusammengestellte Kleiderpakete oder durch die Ausstellung eines Gutscheins, mit dem sie direkt in den Re-Use-Shops einkaufen können.
Laut Caritas Wien können von etwa 1.400 Tonnen Altkleidern in Wien rund 150 Tonnen pro Jahr an Bedürftige verteilt bzw. günstig in den carla-Shops verkauft werden.
Die verbleibende Kleidung, die für Verwertung im Inland von zu niedriger Qualität ist, wird ins Ausland exportiert. Bei sozialwirtschaftlichen Unternehmen können Sie sicher sein, dass die Erlöse nach Abzug der Kosten für Sammlung und Sortierung dem Organisationszweck zu Gute kommen – und somit auch wieder den Bedürftigen. Zusätzlich werden Arbeitsplätze für Personen mit Schwierigkeiten am Arbeitsmarkt geschaffen.
Warum gelangt ein Teil der Kleiderspenden ins Ausland?
Kleidung, für die aufgrund der großen anfallenden Sammelmengen im Inland keine ausreichende Nachfrage besteht, wird von den RepaNet-Mitgliedern an den Großhandel abgegeben und exportiert – doch erst nach der maximalen Ausschöpfung der Wiederverwendungsmöglichkeiten im Inland. Der Export von Alttextilien ist ein hochkomplexes Thema, in dem viele Interessen und Bedürfnisse aufeinandertreffen. Die Entwicklungen der internationalen Textilmärkte unterliegen multiplen wirtschafts- und handelspolitischen Einflüssen. Aktuell lässt sich folgendes konstatieren: Weltweit steigt die Nachfrage nach Gebrauchtkleidung, vor allem in Ländern mit geringer Kaufkraft (z.B. Osteuropa, Mittlerer Osten, Mittelasien und Afrika). Dort stellt die angebotene Gebrauchtware eine leistbare Alternative zu (meist in Asien) billig produzierter Neuware in oft minderer Qualität dar. Denn Re-Use-Ware ist qualitativ meist hochwertiger und haltbarer und trotz der Transportwege ressourcenschonender als Fast Fashion. Entlang der Alttextil-Wertschöpfungskette entstehen wertvolle Arbeitsplätze. Und die Zusammenarbeit der RepaNet-Mitglieder mit seriösen Händlern ist Fair Play auf einem Markt, auf dem illegale Praktiken wie Textilschmuggel leider weit verbreitet ist. Die Verkaufserlöse werden wiederum den von den RepaNet-Mitgliedern betriebenen Sozialprojekten zugeführt.
Mehr dazu finden Sie etwa auf der Website von FairWertung und hier.
Wie geht es den Arbeitskräften im Geschäft mit der Altkleidung?
Besonders in großen Sortieranlagen im Ausland herrschen oft schlechte Arbeitsbedingungen. Große Sortierzentren befinden sich oft in der Nähe von Häfen, was die Logistik vereinfacht, und in Niedriglohnländern. Der Sortierprozess ist arbeitsintensiv und wird häufig von WanderarbeiterInnen übernommen. Die britische Forscherin Nicky Gregson von der Durham University sieht darin eine neue Art von „dirty work“, denn die Arbeitsbedingungen in den großen Sortierzentren sind denkbar schlecht für die Gesundheit. Stauballergien und Hautreizungen sind die Hauptprobleme.
Deshalb unterstützt RepaNet sozialwirtschaftliche Betriebe, bei denen menschenwürdige Arbeitsbedingungen großgeschrieben werden. Hier erhalten Benachteiligte befristete Arbeit und wertvolles Training um den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt zu bewältigen. Die Sozialwirtschaft eröffnet Menschen somit neue Chancen am Arbeitsmarkt. Auch beim Kleidungsexport arbeiten diese Unternehmen mit seriösen Händlern zusammen.
Sammeln wirklich alle Firmen, die es behaupten, für einen „guten Zweck“?
Bei den RepaNet-Mitgliedern können Sie sicher sein, dass der Erlös Ihrer Kleiderspende den gemeinnützigen und sozialen Organisationszielen zugutekommt und nicht in die Tasche von profitorientierten externen Firmen fließt.
In vielen anderen Fällen wird die Textilsammlung jedoch nicht von der karitativen Organisation, deren Name auf dem Container aufscheint, sondern von einem externen Sammelunternehmen durchgeführt. Das größte derartige privatwirtschaftliche Unternehmen Österreichs ist Öpula. Es übernimmt Koordination von Sammlung und weiterer Verwertung. Im Gegenzug erhalten die gemeinnützigen Vereine einen sehr kleinen Teil des erwirtschafteten Profits, der dann karitativen Projekten zugutekommt. Öpula sammelt rund 6.000 bis 7.000 Tonnen pro Jahr. Sortiert wird in Neapel, dann werden 50% in den globalen Süden verkauft, 30% werden zu Putzfetzen und 10% zu Dämmmaterialien und ähnlichem verarbeitet, der Rest landet auf italienischen Müllhalden.
Andere Organisationen, so wie auch die RepaNet-Mitglieder führen die Sammlung und Weiterverarbeitung selbst durch. Der Vorteil liegt auf der Hand: Auf diese Weise werden mehr Arbeitsplätze geschaffen und es lässt sich auch mehr Wertschöpfung erzielen, welche wiederum karitativen und sozialen Zwecken dient.
Sind Textilsammlungen in Fast-Fashion-Läden nachhaltig?
Immer mehr Textilketten bieten bereits eigene Rückgabemöglichkeiten an, um Kund*innen zu binden und um ökologische Werte mit der eigenen Marke zu koppeln. Hierbei gilt es zu bedenken, dass das Hauptgeschäft dieser Firmen weiterhin die Produktion von billiger Massenware bleibt.
Von diesen Sammlungen profitiert etwa die Firma I:Collect (I:CO), ein Tochterunternehmen von Soex, Deutschlands größtem Textilrecycler. Als globaler Dienstleister arbeitet I:CO für In-Store-Sammlung mit Firmen wie H&M, C&A, Levi's, Forever 21 und Adler zusammen und organisiert direkt in den Filialen der Unternehmen die Altkleidersammlung. Die gesammelten Kleider werden bei Soex sortiert, dann weltweit in etwa 80 Länder exportiert. Ein gutes Drittel der Altkleider wird recycelt und zu Malervlies oder Dämmstoff verarbeitet.
Die Sammelprojekte zielen auf Export und Recycling ab – denn schließlich wollen die Ketten die eigene Ware weiterhin verkaufen. Und zu deren Produktion sind sie auf Rohstoffe angewiesen, die jedoch immer knapper werden. Da Recycling jedoch der Wiederverwendung nachrangig ist, sind diese Aktionen eher als Versuche zu sehen, die ökologisch meist nach wie vor fatalen Geschäftstätigkeiten mit einem grünen Label zu versehen – während sie jedoch weit entfernt sind von einem tatsächlichen Umstieg auf kreislaufwirtschaftliche Wirtschaftsweisen. Auch wenn kleine Teile der Gewinne in karitative Projekte fließen, so stellt das Sammelprogramm letztlich eine Konkurrenz für eigenständige karitative Sammler dar. Wegwerfgesellschaft und Fast Fashion werden dadurch nicht verändert, sondern gefördert – so wird die Abgabe von Alttextilien meist mit Einkaufsgutscheinen belohnt, die erst wieder für Fast Fashion ausgegeben werden.
Was sind illegale Kleidersammlungen?
Wer Kleidung spenden möchte, darf sich nicht darauf verlassen, dass sie in jedem beliebigen Sammelcontainer gut aufgehoben ist. Beschriftungen auf Containern sollten genau gelesen werden. Denn ein beträchtlicher Anteil an Altkleidern wird illegal gesammelt. Illegale Container wurden von gewerblichen Sammlern ohne Genehmigung der Behörden aufgestellt. Sie verstoßen mehrfach gegen Gesetze, weil der Sammler meist nicht identifizierbar und nicht bei der zuständigen Behörde registriert ist. Zudem verfügen illegale Container über keine Sondernutzungserlaubnis für die belegte Fläche.
Aufsteller dieser illegalen Container erwirtschaften auf diesem Weg hohe Gewinne – auf Kosten seriöser Sammler. Bei diesen Containern, auf denen zum Beispiel keine vollständigen Kontaktdaten angegeben sind, handelt es sich meistens um gewerbliche Sammlungen, die mit erfundenen Organisations- und Projektnamen werben und somit der Verwendungszweck der Spende für Verbraucher*innen völlig intransparent wird. (Vgl. Blog der FairWertung und Infos vom deutschen Fachverband Textilrecycling) Umso mehr zeigt sich die Sinnhaftigkeit eines einheitlichen Labels für seriöse, sozialwirtschaftliche Sammler, ähnlich der fairwertung in Deutschland.
Was sind aktuelle Herausforderungen für Textilsammler?
Allgemein ist schon seit längerem zu beobachten, dass die Qualität der gesammelten Ware sinkt, die Menge aber steigt. Das liegt an der billigen Massenproduktion. Folgend den ständig wechselnden Modeströmungen wird Kleidung kaum mehr produziert, um lange zu halten. In Österreich ist der Bedarf an Kleidung bei weitem nicht so hoch wie das Sammelaufkommen. Das erklärt auch den verstärkten Export. Sozialwirtschaftliche Unternehmen setzen hierbei auf seriöse Handelspartner.

 

 

TEXTILSAMMLER IN ÖSTERREICH

RepaNet-Mitglieder mit Textilsammlung

Caritas
Die Länderorganisationen der Caritas Wien, Steiermark, Salzburg, Vorarlberg, Linz, St. Pölten und Eisenstadt (alle RepaNet-Mitglieder) betreiben eigene Textilsammlungen und verkaufen die wiederverwendbare Kleidung in ihren Carla-Läden. Mit dem Erlös werden soziale Projekte u.a. für Langzeitarbeitslose oder Menschen mit Beeinträchtigung unterstützt, der stark rabattierte Einkauf und die Gratiskleiderausgabe kommt Menschen in finanziellen Notlagen zugute. Besonders aktiv ist die Caritas Vorarlberg; sie betreibt die Carla Tex, die einzige echte Sortieranlage in Österreich, wo aus einem mehrstufigen Sortierungsprozess ca. 180 verschiedene Kleidungs- und Haushaltstextilien-Artikel hervorgehen. Das Sortiment ergibt sich einerseits aus verschiedenen Qualitätskriterien wie Art, Zustand und Modegrad und orientiert sich andererseits am Bedarf bzw. der Nachfrage. Im Jahr 2018 wurden in der Carla Tex 1.627 Tonnen Kleiderspenden auf diese Weise sortiert, unter Beteiligung von am Arbeitsmarkt benachteiligten Menschen, die in der Carla Tex befristete Beschäftigung mit begleitenden Qualifizierungs- und Arbeitsvermittlungsmaßnahmen fanden.
Gwandolina
Die Gwandolina Kleidersammlung wird in Zusammenarbeit mit den Gemeinden flächendeckend in ganz Osttirol durchgeführt, und in Lienz gibt es zwei Secondhand-Shops, die Gwandolina Secondhand Boutique und die Gwandolina Kinderwelt.
Halleiner Arbeitsinitiative - HAI GmbH
Die Halleiner Arbeitsinitiative – HAI GmbH - wurde 1986 gegründet und bietet heute 24 Arbeitsplätze (Stand 12/2019) in verschiedenen Dienstleistungsbereichen an. Durch Re-Use von Gegenständen und Textilien werden Arbeitsplätze im Transport, in der Sortierung und im Verkauf geschaffen. Der Secondhand-Shop „fair-kauf“ ist ein Herzstück dieses sozialökonomischen Betriebes. Am Arbeitsmarkt benachteiligte Personen werden beschäftigt und bei der nachhaltigen Integration in den ersten Arbeitsmarkt unterstützt.
Integra Vorarlberg
Das RepaNet-Mitglied Integra Vorarlberg betreibt die beiden Re-Use-Kaufhäuser „Siebensachen alt und neu“. Textilien können direkt im Shop abgegeben werden.
Issba
Das RepaNet-Mitglied Issba (Tirol) sammelt mittels Containern und Übergabestellen.
PAP – Pongauer ArbeitsProjekt
Das RepaNet-Mitglied PAP sammelt mittels Containern und Übergabestellen.
Rotes Kreuz Niederösterreich
Die Rotes Kreuz Landesorganisation Niederösterreich sammelt und sortiert selbst. Ein Teil wird in den Henry-Shops verkauft. Weitere Landesorganisationen des Roten Kreuzes sammeln nicht selbst sondern vermieten ihr Logo an privatwirtschaftliche Sammler.
Sbk – Soziale Betriebe Kärnten
RepaNet-Mtiglied Sbk beschäftigt insbesondere Arbeitssuchende über 50 Jahren und Langzeiterwerbsarbeitslose, u.a. in der Sammlung, Sortierung und dem Upcycling von Textilien und in den Second-Hand-Shops.
Soziale Arbeit gGmbH
Zu den Arbeitsbereichen des Beschäftigungsprojektes LEBENSARBEIT der Soziale Arbeit gGmbH (RepaNet-Mitglied) gehört u.a. eine Kreativwerkstatt, in der mit gebrauchten Textilien gearbeitet wird.
Volkshilfe
Die Landesverbände der Volkshilfe Wien und Oberösterreich (beides RepaNet-Mitglieder) haben ebenfalls eine eigene Sammlung. Altkleiderverwertung ist bei der Volkshilfe als Beschäftigungsinitiative angelegt. Hochwertige Stücke werden für den Inlandsverkauf in den eigenen Volkshilfe-Läden verkauft.

 

Weitere gemeinnützige Textilsammler

WAMS
Der Verein WAMS in Tirol sammelt Altkleider mittels Containern und Sammelstellen und verkauft gut erhaltene Ware in den eigenen WAMS Läden weiter. Wie bei RepaNet-Mitgliedern werden damit Arbeitsplätze für benachteiligte Arbeitssuchende geschaffen.

Kommunale Textilsammler

MA48
Die MA48 ist ein kommunaler Anbieter und hat eine eigene Sammlung, die „48er-Tandler-Box”, auf allen Mistplätzen in Wien. Gesammelte Altkleider werden weiterverkauft oder an karitative Einrichtungen übergeben.
Holding Graz
Die Holding Graz besitzt Altkleidercontainer in Graz. Diese werden zum Teil von der Caritas, zum Teil von der FCC Textil2Use GmbH entleert. Laut eigenen Angaben gelangen 20% in einen Second-Hand-Shop.

Privatwirtschaftliche Textilsammler

FCC Textil2Use GmbH
FCC Textil2Use GmbH ist neben der Öpula ein privatwirtschaftliches Unternehmen und hat Sammelcontainer in Österreich sowie in angrenzenden östlichen Ländern aufgestellt. Die Kleidung wird unsortiert an Sortierbetriebe in Süd- und Osteuropa weiterverkauft.
HUMANA
Öpula (für Rotes Kreuz (außer NÖ) und Kolpingwerk)
Die Öpula ist der größte Sammler in Österreich und sammelt unter Verwendung des Namens von gemeinnützigen Organisationen wie dem Roten Kreuz (außer Niederösterreich) und dem Kolpingwerk („Logo-Miete”). Ein kleiner Teil des Profits geht an die karitativen Organisationen. Die Sortierung findet in Neapel statt, von dort aus wird noch tragbare Ware in afrikanische Länder weiterverkauft. 50 Prozent wird als Kleidung wiederverwendet, 30 Prozent zu Putzlappen und 10 Prozent zu Dämmmaterial verarbeitet. 10 Prozent sind reiner Textilmüll.
Texaid
Texaid ist ein privatwirtschaftlich agierender Sammler, der zu 50% karitativen Organisationen in der Schweiz und zu 50% einer Privatperson gehört. Gebrauchte Textilien werden mittels Containern, Straßensammlungen und über ein In-Shop-Sammelsystem in ausgewählten Textilfachgeschäften gesammelt. Laut eigener Aussage ist Texaid seit 2016 in Österreich tätig.