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Vom Europäischen Umweltbüro wurde untersucht, wie sich Reparatur und Neukauf zueinander verhalten und welchen Vorteil die Verlängerung der Nutzungsdauer einiger gängiger Produkte wie Laptops und Waschmaschinen mit sich bringt – mit anschaulichen Ergebnissen!

Wenn es um die Verlängerung der Produktnutzungdauer einiger Warengruppen geht, wird oft das Argument der erhöhten Energieeffizienz neuerer Produkte ins Feld geführt. Ein Neukauf wäre einer Reparatur überlegen, da ältere Geräte doch mehr Strom brauchen als neue. Doch wie haltbar ist das Argument? Und wie wirkt es sich konkret aus, wenn man etwa den eigenen Laptop ein Jahr länger verwendet? – Dieser Frage gingen die Autoren der kürzlich erschienen Studie „Coolproducts don’t cost the Earth“ des Europäischen Umweltbüros nach. Die Ergebnisse sind sehr aussagekräftig und liefern klare Argumente für Reparatur.

Untersucht wurden die Lebenszyklusphasen von Handys, Laptops, Waschmaschinen und Staubsaugern – Produktgruppen also, die von einem überwiegenden Teil der Bevölkerung genutzt werden. In der Herstellung – der ersten der drei Lebensphasen eines Produktes – sowie in der Entsorgung (bzw. Verwertung) entstehen Umweltauswirkungen, auf die die KonsumentInnen selbst keinen Einfluss haben. Lediglich durch die Wahl einer bestimmten, möglichst umweltfreundlichen Marke, z.B. der Kauf eines Fairphones, lässt sich eine Schadensminderung erreichen. Gemessen an CO2-Äquivalenten werden bei Smartphones ganze 50 bis 90 Prozent der gesamten Umweltauswirkungen vor und nach der Nutzung verursacht.

Nun könnte man resigniert den Kopf senken und die eigene Ohnmacht als KonsumentIn beklagen – doch können die VerbraucherInnen dennoch die Nutzungsphase direkt beeinflussen. Und die vorliegende Studie zeigt deutlich, dass die Verlängerung der Nutzungsphase viel bewirken kann.

Ein Jahr länger nutzen – die Auswirkungen

Besonders beeindruckend ist die folgende von den Autoren angeführte Berechnung: Wenn alle momentan in der EU in Verwendung befindlichen Laptops, Handys, Staubsauger und Waschmaschinen um nur ein Jahr länger genutzt würden, hätte das den gleichen Effekt, als wenn zwei Millionen Autos für ein Jahr von der Straße verschwänden. Anders gesagt: In Österreich würden dann in etwa alle zugelassenen PKWs mit Benzinantrieb für ein Jahr stillstehen (siehe KFZ-Statistik der Statistik Austria, Fahrzeug-Bestand am 30. September 2019). Um alle in Österreich registrierten Autos abzudecken (ca. 5 Mio.), müssten die genannten Geräte EU-weit um 2,5 Jahre länger genutzt werden.

Ein klares Argument dafür, Geräte länger zu behalten und im Falle reparieren zu lassen, anstatt etwa bei Handys im Ein- oder Zwei-Jahres-Rhythmus auf ein neueres Modell umzusteigen.

Wir wollen hiermit alle KonsumentInnen dazu ermutigen, sich bei Neuanschaffungen zu überlegen, ob sie wirklich nötig sind und ob es nicht doch sinnvoller wäre, etwa die Waschmaschine reparieren zu lassen oder das Handy noch etwas länger zu behalten. Um noch eine weitere Berechnung der Studie anzuführen: Eine neue Waschmaschine müsste beispielsweise 25 bis 40 Jahre lang genutzt werden, damit ihre höhrere Effizienz die Umweltauswirkungen der Herstellungs- und Entsorgungsphasen (also der Nicht-Nutzungsphasen) kompensiert. Das spricht eindeutig für die Anschaffung langlebiger Produkte, sowie die Instandhaltung durch gute Wartung und die Inanspruchnahme von Reparaturdienstleistungen.

Das ist auch das Ergebnis der Studie: Eine Verlängerung der Nutzungsphase ist in allen untersuchten Fällen der beste Weg. Hier sind auch Hersteller und Politik gefragt. Deshalb setzt sich RepaNet gemeinsam mit RREUSE auf europäischer Ebene für eine Verbesserung von Ökodesignvorgaben (inkl. besserer Reparierbarkeit) und eine Mehrwertsteuerreduktion auf Reparaturdienstleistungen ein.

Mehr Infos …

Studie „Coolproducts don’t cost the Earth“ inkl. Download-Link in der RepaThek

RepaNews: Studie über den Umgang mit Elektro(alt)geräten

RepaNews: Mehrwertsteuersenkung würde Reparaturbetriebe und Kreislaufwirtschaft fördern

RepaNews: Handelsplattform refurbed im Dienst der Umwelt

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