Bild: ÖWAV

Erstmals seit Langem publizieren die maßgeblichen StakeholderInnen der österreichischen Abfallwirtschaft wieder weitreichende Zukunftsvisionen – Re-Use wird dabei prominent gewürdigt und als eine von zahlreichen öffentlichen und gesamtgesellschaftlichen Pflichtaufgaben gesehen. Die Arbeitsgruppe „Ressourcenschonung und Ressourceneffizienz“ des ÖWAV-Arbeitsausschusses „Abfallstrategie – BAWP 2017“ Wien lud im Rahmen ihrer sehr breiten Stakeholdereinbindung u.a. RepaNet-Geschäftsführer Matthias Neitsch als Gastvortragenden ein und konnte so zahlreiche Anregungen aus dem österreichischen Re-Use-Sektor von RepaNet übernehmen. 

Eine der Zukunftsforderungen der ÖWAV-ExpertInnen: Re-Use soll verstärkt werden. Denn grundsätzlich kann durch die Wiedernutzung von Produkten nach allfälliger Aufbereitung und Qualitätssicherung die Nutzungsdauer vieler Produkte deutlich verlängert werden. Damit verbunden sind Einsparungen beim Verbrauch wertvoller Ressourcen, eine Verstärkung des Dienstleistungssektors bei gleichzeitiger Verringerung von Importabhängigkeiten, die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Möglichkeit für einkommensschwache Bevölkerungsgruppen, ihre Bedürfnisse besser abzudecken.

Abgesehen davon ist Re-Use eine der wichtigsten Maßnahmen zur Umsetzung der Abfallhierarchie (Vorbereitung von Abfällen zur Wiederverwendung, Erreichung des Abfallendestatus). Die Wiederverwendung von aus Abfällen gewonnenen Produkten oder Teilprodukten ist jedoch nicht mit der weiteren Verwendung von Produkten gleichzusetzen. Während gemäß der Abfallhierarchie definierte „Wiederverwendung“ das Vorhandensein des Abfalls am Beginn der Vorbereitungsmaßnahmen voraussetzt, handelt es sich bei einer weiteren Verwendung um Produkte, die nie zu Abfall geworden sind.

Der ÖWAV fordert unter anderem die finanzielle bzw. fiskalische Förderung der Anwendung von Ökodesignprinzipien zur Lebensdauerverlängerung, zur Schadstoffminimierung, zur leichteren Wiederverwendung („Design for Re-Use“) und für „Design for Recycling“ sowie für die Reparatur und Wiederverwendung von Geräten. Forschungsbedarf sieht der ÖWAV in den Bereichen der Entwicklung von „Design for Recycling“ und „Design for Re-Use“, die zu Produkten führen, die sich leicht reparieren sowie funktionell und stofflich trennen lassen sowie in der Entwicklung von Reparatur- und Wiedernutzungssystemen.

Damit Holz seine optimale CO2-Bindung ausspielen kann, sollte es solange wie möglich stofflich genutzt werden. Möglichkeiten hierfür wären z. B. ein verstärktes Re-Use in den Bereichen Sperrmüll und Altholz und eine forcierte Quellensortierung am Anfallsort. Auch im Baubereich und bei Kunststoffen sehen die ÖWAV-ExpertInnen großen Entwicklungs- und Innovationsbedarf, der auch die Wiederverwendung mit einschließt.

Allerdings bleiben die Ansätze des ÖWAV zu Re-Use im vorliegenden Papier noch sehr unkonkret, aber ein allmählicher Bewusstseinswandel auch innerhalb der Abfallwirtschaft ist erkennbar. Nun wird es vor allem an der Konkretisierung von Re-Use-Maßnahmen im Bundesabfallwirtschaftsplan und vor allem aber am Engagement der kommunalen, privatwirtschaftlichen und sozialwirtschaftlichen Akteure sowie der öffentlichen Fördergeber liegen, inwieweit das derzeit zwar volkswirtschaftlich hocheffiziente, aber betriebswirtschaftlich noch immer benachteiligte Re-Use gestärkt wird.

ÖWAV-ExpertInnenpapier: „Überlegungen und Vorschläge aus Sicht der Abfallwirtschaft zur Verbesserung der Ressourcenschonung und -effizienz“, erstellt von der Arbeitsgruppe „Ressourcenschonung und Ressourceneffizienz“ des ÖWAV-Arbeitsausschusses „Abfallstrategie – BAWP 2017“, Wien, April 2016 – Download hier…

Diesen Artikel teilen: