© Arge Abfallvermeidung. Oben links: Nina Monjean/RREUSE, oben rechts: Nina Monjean/RREUSE, Christine Hochholdinger/BMNT im Publikum, unten links: Margit Schratzenstaller/WIFO, unten rechts: Judith Pühringer/arbeit plus

Was für ein Tag, was für eine #Re-Use-Konferenz! Elf Referentinnen haben am 31. Jänner in Graz einen Einblick in ihre Re-Use-nahen Arbeitsfelder gegeben und mit dem Publikum über die Zukunft von Re-Use diskutiert, alle Präsentationen finden Sie hier. RepaNet hat einen Kurzüberblick für Sie erstellt.

„Rohstoffsteuer – Nur eine Vision oder dringender denn je?“

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Keine neuen Abgaben, aber eine Umstrukturierung der bestehenden Abgabenlast schlug Margit Schratzenstaller vom WIFO vor. Fiskalische Anreize, z.B. Ökosteuer, Steuererleichterungen oder Subventionen, könnten geeignete Lenkungsmaßnahmen sein, um eine zukunftsfähige Wirtschaftsweise zu forcieren, da so „falsche Preise“ korrigiert werden, etwa indem externe Kosten wie Umweltverschmutzung bzw. externer Nutzen wie Umweltschutz berücksichtigt werden. Ein Vorteil unter vielen wäre, dass wirtschaftliche Anreize für technologische Entwicklungen gesetzt würden.

RREUSE: „Beispiele aus Europa und darüber hinaus“

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Erweiterte Herstellerverantwortung für Elektrogeräte in Frankreich, die Sozialunternehmen begünstigt, die Pläne der EU-Kommission, die Mehrwertsteuer zu harmonisieren und dabei möglicherweise Reparatur und Re-Use zu begünstigen, wie es in mehreren EU-Ländern bereits der Fall ist, in Schweden etwa wurde die Mehrwertsteuer auf Reparaturen 2017 halbiert – Nina Monjean vom europäischen Dachverband der sozialwirtschaftlichen Re-Use-Betriebe RREUSE, bei dem auch RepaNet Mitglied ist, zeigte die europäischen Best-Practice-Beispiele auf.

„Re-Use und Einwegplastik – Neuigkeiten aus Brüssel“

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Christine Hochholdinger vom BMNT brachte die Perspektive des Gesetzgebers ein: Österreich hat bereits gute Recyclingquoten gemessen am EU-Durchschnitt. Dennoch betont Hochholdinger, dass Re-Use und Reparatur als Maßnahmen der Abfallvermeidung verstärkt werden sollen. Denn dass Österreich im Vergleich so gut abschneidet, liegt zurzeit u.a. auch daran, dass es in der EU Länder gibt, deren Recycling- und Re-Use-Tätigkeiten noch am Anfang stehen und daher den Durchschnitt drücken. Aus dem Publikum, aber auch von der Referentin selbst wurde bemängelt, dass es keine eigene Re-Use-Quote gibt, sondern Re-Use als Teil von Recycling gewertet wird. Bis 2024 wolle die EU prüfen, ob und wie eine Re-Use-Quote erhoben werden kann.

„Neue Wege für Re-Use im Land Steiermark“

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Ingrid Winter vom Amt der Steiermärkischen Landesregierung (Abfallwirtschaft und Nachhaltigkeit) berichtete von den zahlreichen Projekten des Landes, etwa der Förderinitiative Mehrwegwindeln, der ganz neuen Reparaturprämie, den Ressourcenparks Steiermark und dem neuen EU-Projekt zu Baurestmassen „CONDEREFF“, das, ähnlich wie BauKarussell, den verwertungsorientierten Rückbau fördert.

„Förderung von Reparatur und Re-Use in der Stadt Graz“

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Von anfänglichen 10 auf mittlerweile rund 150 pro Monat ist die Zahl der Reparaturförderfälle in Graz seit Einführung des Reparaturbonus im letzten Jahr angestiegen, so Alexandra Loidl vom Umweltamt der Stadt Graz. Damit ist Graz Vorbild über die Landesgrenzen hinaus, z.B. für Oberösterreich, das Ende letzten Jahres ebenfalls einen Reparaturbonus eingeführt hat.

„Reparieren statt wegwerfen – Initiativen in Oberösterreich“

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Man wollte es den Privatpersonen möglichst einfach machen, etwas zu reparieren, damit die Reparatur eine wahre Alternative zum Neukauf werden kann, so Birgit Reiner, Referentin für Abfallwirtschaft im Amt der Oberösterreichischen Landesregierung. Der Reparaturbonus wird seit der Einführung im September 2018 gut angenommen. Ende Jänner 2019 waren schon 1.090 Anträge eingelangt. Nur etwa 13 % der Anträge wurden bisher abgelehnt, fast die Hälfte (45 %) davon, weil die Rechnungen älter als vier Wochen waren. Am häufigsten werden mit dem Reparaturbonus Geschirrspüler, Waschmaschinen und Kaffeemaschinen repariert.

„Vorbereitung zur Wiederverwendung von EAG – Standardisierung und zivilgesellschaftliche Einbindung“

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Lindsey Wuisan von der europäischen Umwelt-NGO mit Fokus Standardisierungsprozesse Ecos, bei der der österreichische Umweltdachverband Mitglied ist, zeigte auf, dass Re-Use-PraktikerInnen bei der Entwicklung der EU-weiten Standards für Re-Use kaum Mitsprachemöglichkeiten haben. Soweit es aber möglich ist, bringt sich Ecos hier im Sinne von Reparierbarkeit und Re-Use ein. Wie so ein Standardisierungsprozess abläuft, erklärte Wuisan anhand der EAG-Normen, Details siehe in den Präsentationsunterlagen.

„Förderung von Re-Use durch öffentliche Vergaberichtlinien am Beispiel Italien“

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Marina Fornasier von der italienischen Sozialgenossenschaft cooperativa sociale insieme zeigte auf, wie die Gesetzgebung sozialwirtschaftliche Organisationen mit geeigneten Vergaberichtlinien gezielt fördern kann. In Italien wurde in der öffentlichen Beschaffung nämlich die Möglichkeit eingeräumt, sozialwirtschaftliche Genossenschaften vor anderen Anbietern zu bevorzugen, auch wenn ihr Angebot bei selber Leistung nicht das billigste ist. Fornasier betonte, dass Partnerschaften zwischen der öffentlichen Hand und sozialen Re-Use-Zentren der Schlüssel zu einer erfolgreichen nationalen Re-Use-Strategie mit sozialem Mehrwert seien.

„Re-Use als Jobmotor in der Sozialwirtschaft“

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Judith Pühringer, Geschäftsführerin vom Verein arbeit plus, bei dem auch RepaNet Mitglied ist, stützte sich in ihrem Vortrag auf die von RepaNet erhobenen Zahlen zu Re-Use (Marktbericht 2017) und auf die RepaNet-Einschätzung, dass allein in Österreich ein realistisches Potential von 2.600 zusätzlichen Jobs vorhanden ist, wenn Re-Use angemessen gefördert wird. Den Mehrwert von sozialwirtschaftlichen Unternehmen sieht Pühringer neben der Arbeitsmarktintegration auch darin, dass es sich um Arbeitslabore handelt, in denen innovative Tätigkeiten (Dienstleistungen, Produkte) erprobt werden, die für die Umwelt sinnvoll, aber auf dem freien Markt in dieser Form noch nicht anzutreffen sind.

Re-Use-Förderung mit eigenem Re-Use-Zentrum im Allgäu

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In Kempten im Allgäu gibt es seit Kurzem ein Re-Use-Kaufhaus, das Kaufhois. Die Idee dazu habe man aus Graz, berichtete Claudia Mayer, Projektleiterin für Re-Use im Zweckverband für Abfallwirtschaft Kempten (ZAK). Der ZAK arbeitet dabei mit der sozialwirtschaftlichen Initiative HOI zusammen.

„Strategien zur Verlängerung der Nutzungsdauer von Consumer Laptops“

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Vor einigen Monaten hat RepaNet die Studentin Bettina Thyri bei ihrer Masterarbeit unterstützt (wir haben Sie damals gebeten, eine Umfrage auszufüllen), auf der Re-Use-Konferenz hat Thyri nun die Ergebnisse zu der Frage präsentiert: Wie kann man KonsumentInnen dazu motivieren, ihre Laptops länger zu nutzen und ggf. reparieren zu lassen? Bei allen Altersgruppen waren das Repaircafé und der Reparaturbonus die beliebtesten Maßnahmen. Eine Reduzierung der Mehrwertsteuer war ebenfalls für einige interessant. Unter den von den Umfrage-TeilnehmerInnen selbst eingebrachten Vorschlägen war der, dass Laptops modular aufgebaut sein sollten. Thyri stellte außerdem fest, dass viele der TeilnehmerInnen sich zwar für umweltbewusst halten, das aber bei ihrer Laptopnutzung nicht berücksichtigen. Hier müsste Bewusstseinsbildung erfolgen. Thyri betonte, dass die Ergebnisse nicht repräsentativ sind.

Als Dankeschön erhielten alle Referentinnen eine Tasche von Heidenspass, einem sozialen Upcycling-Projekt in Graz, in dem junge Erwerbsarbeitslose beschäftigt und qualifiziert werden.

Für Unterhaltung und Auflockerung zwischen den Vortragsblöcken sorgten die Theaterperformances von Pia Hierzegger und ihren Kolleginnen vom Theater im Bahnhof in Graz.

Die Österreichische Re-Use-Konferenz wird von der Arge Abfallvermeidung mit fachlicher Unterstützung von RepaNet abgehalten.

Mehr Infos …

Tweets zur Österreichischen Re-Use-Konferenz

Präsentationen aller Referentinnen

Fotos vom Event

Webseite Heidenspass

Theater im Bahnhof

Webseite Arge Abfallvermeidung

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