Die Coronakrise stellt uns vor ganz neue Herausforderungen. Nach einem anfänglichen Schulterschluss werden nun immer mehr kritische Stimmen laut. So fordert etwa Greenpeace, dass durch ein Corona-Konjunkturprogramm grüne Betriebe verstärkt gefördert werden.

Wir haben es bereits einige Male unterstrichen: Die bedingungslose Förderung der Wirtschaft könnte uns derzeit ziemlich rasch in eine Sackgasse führen. Die Coronakrise ist Zeichen davon, dass das bisher propagierte Wirtschaftswachstum doch ein Ablaufdatum hat und alles andere als krisenresistent ist. Produktionsmechanismen, die die planetaren und menschlichen Grenzen nicht akzeptieren, müssen ein Ende finden – damit ökologisch und sozial nachhaltige Formen nachrücken können. Die Krise gibt uns die Chance dazu.

Greenpeace hat vor kurzem auf die Notwendigkeit hingewiesen, Klimaschutz und Konjunkturmaßnahmen miteinander zu verknüpfen (zur Presseaussendung). Untermauert wird die Argumentation mit den Ergebnissen einer von Greenpeace in Auftrag gegebene Analyse des deutschen Forums ökologisch-soziale Marktwirtschaft (FÖS): Die Studie „Wie notwendige Wirtschaftshilfen die Corona-Krise abfedern und die ökologische Transformation beschleunigen können“ zeigt auf, wie kurzfristig notwendige Hilfsmaßnahmen in Verbindung mit langfristigen Konjunkturpaketen in Österreich neue Jobs schaffen, die soziale Ungleichheit bekämpfen und den Strukturwandel zu einer klimafreundlichen, krisenresistenten Wirtschaft einleiten können.

Neue nachhaltige, faire Jobs sind möglich

Hilfspakete haben das Potential, die Entwicklung unserer Wirtschaft jetzt zu steuern, etwa im Bereich öffentlicher Verkehr oder erneuerbare Energie. Besonders im letzten Bereich liegt hohes Arbeitsmarktpotential – alleine mit der Umsetzung des Photovoltaik-Ausbauziels der Regierung könnten in Österreich rund 200.000 regionale Arbeitsplätze geschaffen werden. Was die Arbeitswelt betrifft, so müssen bei sämtlichen Wirtschaftshilfen der Erhalt und Ausbau von Arbeitsplätzen als zentrale Bedingung neben den Klimaschutz stehen. Adam Pawloff, Klimaexperte von Greenpeace in Österreich, betont: “Wir brauchen einen grünen Wiederaufbau nach der Corona-Krise. Das zeigt auch die Studie klar: Die Regierung muss jetzt nicht nur kurzfristig notwendige Rettungspakete klug schnüren, sondern mit den kommenden Konjunkturpaketen in eine zukunftsfähige Wirtschaft und nachhaltige Arbeitsplätze investieren: modern, klimafreundlich und sozial gerecht.” Das bedeutet, auch kurzfristige Hilfsmittel sollen an soziale und ökologische Bedingungen geknüpft werden, denkt man etwa an den Flugverkehr.

Jetzt Kreislaufwirtschaft fördern

Damit nachhaltige, regionale Kreisläufe unser künftiges Wirtschaften kennzeichnen, müssen wir jetzt die Weichen setzen. Im türkis-grünen Regierungsprogramm sind hierzu wichtige Ziele auf dem Tisch, die nun mit den Konjunkturpaketen verknüpft werden sollten. Und auch international gibt es genügend Bekenntnisse, an die sich die EntscheidungsträgerInnen jetzt erinnern sollten. Klimaökonomin Sigrid Stagl von der WU Wien unterstreicht: „Die anstehenden langfristig wirkenden staatlichen Maßnahmen und öffentlichen Investitionen müssen mit dem Pariser Klimaabkommen und den Zielen der nachhaltigen Entwicklung kompatibel sein. Die nun ungeplant beschleunigte Veränderung muss kurzfristig sozial abgefedert und langfristig in die richtige Richtung gesteuert werden.”

Hier wollen wir ergänzen, dass Jobs für am Arbeitsmarkt Benachteiligte besonders in den Fokus rücken müssen. Wirtschaftliche Rettungsmaßnahmen dürfen nicht auf die sozial Benachteiligten vergessen, sondern müssen genau diese vorrangig berücksichtigen. Sozialökonomische Betriebe müssen dringend besser unterstützt werden – über die europaweite Forderung danach haben wir bereits berichtet (weiterlesen). Denn nur so können sie ihre wichtige Aufgabe – nämlich Behinderten, Langzeitarbeitslosen, psychisch Kranken und anderen vulnerablen Gruppen eine sinnvolle Beschäftigung zu geben – langfristig erfüllen können. Hier muss eine langfristige Absicherung der Betriebe endlich Druck aus dem System nehmen.

 

Mehr Infos …

Presseausendung von Greenpeace: Studie: Klimaschutz und Arbeitsplätze durch Corona-Konjunkturprogramm

Link zur Studie: „Wie notwendige Wirtschaftshilfen die Corona-Krise abfedern und die ökologische Transformation beschleunigen können – Update für Österreich

RepaNews: Sozialwirtschaft muss jetzt besonders unterstützt werden!

RepaNews: Re-Use und Reparatur im neuen Regierungsprogramm

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