Beim sechsten Treffen der Reparaturinitiativen Ende September in Salzburg stand hochkarätiger Besuch ins Haus: Martine Postma, Gründerin des ersten Repair Cafés und der gleichnamigen Stiftung, erzählte von ihrer Sicht auf die Reparaturkultur und ihre Entwicklung.

Das Vernetzungstreffen der österreichischen Reparaturinitiativen hat bereits Tradition. Zweimal im Jahr kommt man zusammen, um sich über aktuelle Entwicklungen, Fragestellungen und auch Schwierigkeiten, die Repair Cafés betreffen, auszutauschen. Die Möglichkeit zur Vernetzung und das Besprechen aktueller Bedürfnisse wird von vielen Engagierten immer wieder genutzt. Auch dieses Treffen war gut besucht.

Bereits am Vorabend kamen einige Reparateure, OrganisatorInnen und anderweitig für Reparatur Engagierte bei der Leopold Kohr Summer School zum Thema Reparieren und Selbermachen zusammen. Nach dem geselligen Beisammensein ging es am nächsten Tag gleich mit einem Highlight weiter: Martine Postma ließ die Entwicklung von ihrer ersten Idee des Repair Cafés bis hin zur heutigen großen Bewegung revue passieren. Zehn Jahre nachdem in Amsterdam zum ersten Mal ein Repair Café stattfand, werden mittlerweile in den Repair Cafés der Stiftung monatlich etwa 34.000 Dinge repariert. Für Postma ist die Zunahme an Initiativen ein Zeichen dafür, dass die Menschen bewusster werden und reparieren wollen – und zwar auf gemeinschaftliche Weise.

Martine Postma erzählte von ihrer Motivation, das erste Repair Café zu gründen.

Besonders erwähnenswert ist auch der von der Repair Café Stiftung entwickelte Repair Monitor, in den man erfolgte Reparaturen eintragen kann. So lässt sich gutes Monitoring betreiben – er sollte aber noch intensiver genutzt werden. Dazu rufen wir hiermit alle Initiativen auf – denn wenn wir das Wissen über Möglichkeiten der Reparatur bei bestimmten Produkten in einen gemeinsamen Pool einfließen lassen, können so z.B. Rückschlüsse auf Möglichkeiten zur Verbesserung des Produktdesigns gewonnen werden. Das kann eine solide Argumentationsgrundlage für Gespräche mit Firmen sein – Postma nannte hier als Beispiel eine Senseo-Kaffeemaschine von Philips, bei der ein wiederkehrend festgestellter Mangel zu konstruktiven Gesprächen mit den Herstellern führte.

Die angeregte, auf Postmas Ausführungen folgende Diskussion drehte sich um Reparaturkultur an Schulen, Haftungsfragen und das Verfügbarmachen von Reparatur für alle. Thematisiert wurde auch die geplante Öffnung der Stiftung für Reparaturinitiativen, die nicht streng nach dem Repair-Café-Konzept der Stiftung Repair Café organisiert sind.

Reparaturführer, Politik & Ideensammlung

Danach berichtete Maria Wild von der ATM über die neuesten Entwicklungen des Reparaturführers: Aktuell sind ca. 1.500 Betriebe registriert. Von Jänner bis August 2019 wurde die Seite von über 50.000 Personen genutzt. In Tirol sind jetzt auch Repair Café Termine gelistet. Bald soll auch das Burgenland hinzukommen, dann ist ganz Österreich abgedeckt – denn Wien hat mit dem Reparaturnetzwerk Wien eine eigene Übersicht geschaffen.

Matthias Neitsch lieferte danach einige Neuigkeiten aus dem etwas politischeren Reich der Reparatur, denn Regelungen wie Ökodesign und Reparaturfreundlichkeit der Produkte betreffen schließlich auch ganz konkret die ReparateurInnen. Sepp Eisenriegler gab einen kurzen Rückblick über die Aktion der Promi Repair Cafés im Juni. Danach gab es noch einen Beitrag von Michaela Brötz von Repair Café Tirol – ausgehend von einem Bericht über den Expertentag in Tirol sammelte sie gemeinsam mit den Anwesenden Anregungen, wie man Personen zum gemeinsamen Reparieren animieren kann und wie man ein Repair Café nach der ersten Phase spannend halten kann.

Der Tag lebte neben den Vorträgen vor allem von dem regen Austausch und den vielen interessanten Berichten und Diskussionen aller TeilnehmerInnen. RepaNet dankt der Stadt Salzburg ganz herzlich für das Mittagessen und das Zurverfügungstellen des Raumes im Stadtwerk.

Wenn Sie sich innerhalb einer Reparaturinitiative engagieren und unseren Reparaturinitiativen-Newsletter noch nicht erhalten, schreiben Sie bitte an office(a)repanet.at. So werden Sie dann mit Neuigkeiten rund ums Thema Reparatur versorgt sowie auch mit unseren Einladungen zu den halbjährlichen Vernetzungstreffen. Das nächste Treffen wird übrigens im April 2020 in Salzburg stattfinden.

Mehr Infos …

RepaNet-Presseaussendung: Das Repair Café – eine 10jährige Erfolgsstory

Über das Österreichische Netzwerk der Reparaturinitiativen

Zum Repair Monitor

RepaNews: Reparaturinitiativen und Handwerksbetriebe bestärken einander

RepaNews: Leopold Kohr Summer School: Repair-Kultur im Augustiner Bräu Salzburg

RepaNews: Expertentag der Repair Cafés Tirol

RepaNews: Repair-Cafés mit Promi-Beteiligung in ganz Österreich

RepaNews: Fünftes Treffen der Reparaturinitiativen in Villach

RepaNews: Reger Austausch beim Vernetzungstreffen der Reparaturinitiativen in Salzburg

RepaNews: Österreichisches Netzwerk der Reparaturinitiativen

RepaNews: Österreichische Reparaturinitiativen auf Ideensammlung

Repanews: Reparatur-Initiativen bilden bundesweites Netzwerk

 

Diesen Artikel teilen: