Wiederverwendung soll in Berlin vermehrt gefördert werden. Mit dem neuen Abfallwirtschaftskonzept 2020-2030 wurde nun eine Strategie für die nächsten zehn Jahre vom Berliner Senat beschlossen. Damit werden wichtige Eckpunkte festlegt, die die Kreislaufwirtschaft ankurbeln sollen.

Wir werfen in unserer Arbeit und auch in den RepaNews gerne immer wieder einen genauen Blick in andere Länder und andere Städte, um zu sehen, wie es dort um Re-Use bestellt ist. Heute geht es um Berlin: In den letzten Jahren ist Wiederverwendung hier im Aufschwung. Mit der von der Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz 2018 initiierten Initiative „Re-Use Berlin. Wiederverwenden statt Wegwerfen“ wurde ein Rahmen geschaffen, der vielfältige Aktionen wie Sammel- und Aktionstage, mobile Brillen-Spendenboxen, Fachdialoge und Wettbewerbe umfasst. (wir haben in den RepaNews berichtet). Bestehende Strukturen zur Abfallvermeidung sollen gestärkt und neue sollen systematisch aufgebaut werden, um die Berliner Abfallwirtschaft zu einer modernen Kreislaufwirtschaft zu transformieren. Ende 2019 wurde zudem das Netzwerk „Re-Use Berlin“ als gemeinnütziger Verein zur Wiederverwendung von Gebrauchtwaren gegründet. Mitglieder sind bestehende Gebrauchtwarenkaufhäuser, Ziel ist u.a. die Entwicklung von Qualitätsstandards und einer Dachmarke für Gebrauchtwaren sowie die Unterstützung von Kooperationsprojekten.

Für 2020 stehen am Plan der Intiative etwa der Aufbau eines Pop-up-Stores, Retourenrettung von Textilien durch Kooperationen sowie die Locationsuche für das „Warenhaus der Zukunft“. Bearbeitet wird das Projekt unter Leitung des Wuppertal Instituts in Zusammenarbeit mit dem Ecologic Institut, IZT – Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung, u.e.c. Berlin sowie RepaNet-Partner pulswerk GmbH – somit fließt auch Know-How von unseren österreichischen Re-Use-Aktivitäten nach Berlin.

Wichtige verbindliche Eckpunkte festgelegt

Nun kommt noch mehr Aufwind in die Angelegenheit. Laut deutschem Kreislaufwirtschaftsgesetz (§21) haben die öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger Abfallwirtschaftskonzepte zu erstellen. Mit dem neuen Berliner Abfallwirtschaftskonzept für Siedlungs- und Bauabfälle sowie Klärschlamme für die Jahre 2020 bis 2030 wurden nun wichtige verbindliche Eckpunkte für Wiederverwendung im Land Berlin festgelegt. Das Konzept dient als Planungsinstrument der massiven Stärkung einer moderneren Kreislaufwirtschaft in Berlin, zielt konsequent auf den Ausbau von Abfallvermeidung, Wiederverwendung und Recycling ab und folgt dabei der EU-Abfallhierarchie. Es setzt die Vorgaben der EU-Abfallrahmenrichtlinie und des  Circular Economy Action Plans um und beinhaltet u.a. die Reduzierung des Siedlungsabfallaufkommens um 20 Prozent bis 2030 sowie eine deutliche Steigerung der Klimagaseinsparungen und Ressourceneinsparungen. Durch diese und weitere Maßnahmen (wie etwa Phosphorrückgewinnung aus Klärschlammen) soll bis 2030 eine zusätzliche Emissionsvermeidung schädlicher Klimagase in Höhe von rund 250.000 Tonnen/Jahr CO2-Äquivalente erzielt werden, zudem eine weitere Ressourceneinsparung durch den Einsatz von Sekundärbaustoffen in Höhe von rund 1,4 Millionen Tonnen/Jahr.

Regine Günther, Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz in Berlin: „Unser neues Abfallwirtschaftskonzept 2020-2030 führt nicht einfach nur die bisherige Berliner Kreislaufwirtschaft fort, sondern setzt national und international neue Maßstäbe für eine konsequente kommunale Zero-Waste-Strategie. Dieses Zero-Waste-Leitbild ist unverzichtbar, damit auch die Abfallwirtschaft durch Müllvermeidung, Ressourcensparsamkeit, Recycling und hochwertige Verwertungssysteme dazu beiträgt, unsere Klimaschutzziele zu erreichen.“

Das Berliner Abfallwirtschaftskonzept 2020-2030 wurde im Mai vom Berliner Senat beschlossen, nun muss noch die Beschlussfassung durch das Abgeordnetenhaus folgen.

Mehr Infos …

Presseaussendung: Abfallwirtschaftskonzept 2020-2030 setzt ambitionierte Standards mit Berliner Zero-Waste-Strategie

Kurzinfo – Berliner Abfallwirtschaftskonzept für Siedlungs- und Bauabfälle sowie Klärschlamme für die Jahre 2020 bis 2030

Berliner Abfallwirtschaftskonzept 2020-2030 (Stand: April 2020, pdf)

Recyclingmagazin: Berlin: Neues Abfallwirtschaftskonzept mit Zero-Waste-Strategie

Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz: Mehr über Re-Use Berlin

Rückblick: Re-Use Berlin seit 2018

Pressemitteilung zur Gründung des Vereins „Re-Use Berlin e.V.“

RepaNews: Re-Use Berlin: Vom Sammeltag bis zum „Warenhaus der Zukunft“

RepaThek: Re-Use-Dachmarke in Deutschland

RepaNews: Kreislaufwirtschaftsgesetz in Deutschland muss gemeinnützige Sammler stärken

RepaNews: Österreich muss mehr in Re-Use, Reparatur und Kreislaufwirtschaft investieren

RepaNews: CNRS verlinkt öffentliche Beschaffer, Sozialwirtschaft und Re-Use

VABÖ-News: Slowenien startet in eine konsequent zirkuläre Wirtschaft

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