© Karl-Heinz Laube, www.pixelio.de

Ab 2025 ist die getrennte Sammlung von Alttextilien in der EU verpflichtend, das heißt, dass jeder Mitgliedstaat für die KonsumentInnen die Möglichkeit schaffen muss, Alttextilien gesondert abzugeben. Eine Möglichkeit wäre, die Hersteller und Vertreiber in die Pflicht zu nehmen, wie es bei Elektrogeräten und Verpackungen schon der Fall ist. Für Frankreich, wo die Produzentenverantwortung für Textilien schon 2006 in Kraft trat, zieht eine Studie jetzt positive Bilanz.

Die AutorInnen der Studie haben herausgefunden, dass in Frankreich bis zu 90 % der Textilien nach ihrer Nutzung zurückgewonnen werden könnten und davon könnten wiederum 50 % direkt ins Re-Use gehen. Tatsächlich hat sich die Sammelmenge von Textilien in Frankreich seit der Einführung der erweiterten Produzentenverantwortung im Jahr 2006 verdreifacht und auch die Qualität ist gestiegen: Heute ist ein größerer Anteil aus den Sammlungen für Re-Use geeignet als noch vor 12 Jahren. Was nicht Re-Use-fähig ist, geht ins Recycling. Das Aussortieren läuft derzeit manuell und ist kostenintensiv. Bei steigender Menge können jedoch Skaleneffekte genutzt und technische Innovationen angeregt werden.

Die AutorInnen schlussfolgern, dass wegen der besseren Qualität der Textilien auch für die gestiegenen Mengen neue Absatzmärkte erschlossen werden können, selbst wenn einige afrikanische Länder ein Importverbot von Gebrauchtkleidung ab 2019 planen (wovon die meisten aber wieder Abstand genommen haben).

Ein funktionierendes Herstellersammelsystem für Alttextilien könnte auch für Österreich ein Gewinn sein. Hierzulande werden noch immer geschätzte 80 % der Alttextilien in den Restmüll geworfen. Vor dem Hintergrund der bisherigen Erfahrungen mit den bestehende Systemen für Verpackungen und Elektroaltgeräte ist RepaNet aber skeptisch. Diese Systeme konnten zwar die Sammlung und Verwertung weiterentwickeln, dabei stehen aber die Interessen der finanzstarken Hersteller im Vordergrund. Die tendenziell gemeinwohlorientierte Vermeidung von Abfällen und die Vorbereitung zum Re-Use bleiben dabei nicht nur auf der Strecke, sie werden sogar blockiert: So stemmen sich die Verpackungssammelsysteme massiv gegen die Förderung von Mehrwegsystemen bei Verpackungen, und die EAG-Sammelsysteme verweigern bis heute eine adäquate Mitfinanzierung der Vorbereitung zum Re-Use durch sozialwirtschaftliche Betriebe.

Garantien, dass es in Österreich mit einer erweiterten Produzentenverantwortung im Textilsektor anders laufen würde, gibt es noch keine (Frankreich arbeitet daran). Denn durch das System alleine sind für die Hersteller keine Anreize geschaffen, von ihren „Fast Fashion“-Modelinien von schlechter Qualität abzuweichen, die schnell entsorgt werden und seltener Re-Use-fähig sind als höherwertige Kleidungsstücke. In Frankreich sind die sozialwirtschaftlichen Organisationen prominent in das System eingebunden, weil diese den Alttextilmarkt dominieren und allgemein deutlich mehr Wertschätzung erhalten. Für Österreich befürchten wir, dass das Versprechen von gesteigerten Sammelmengen und höherer Qualität rein gewinnorientierte Sammler und Recycler auf den Plan rufen würde, die ohne entsprechende Regulierungen die sozialwirtschaftlichen Textilsammler aus dem Markt drängen werden.

Weitere Informationen …

RepaThek-Eintrag: Studie: A national programme für textiles and clothing recovery

RepaNews: Forum Verantwortliches Wertstoff-Management: Kreislaufwirtschaft ohne Umwege führt über Re-Use

NTV: Ruanda trotzt US-Ultimatum: Trumps „erbärmlicher“ Handelskrieg in Afrika

RepaNews: Gesetz gegen die Vernichtung von Textilien: Frankreich verpflichtet Modefirmen zur Kreislaufwirtschaft

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